Skip to main content

Full text of "Albers Tundalus"

See other formats


This is areproduction of a library book that was digitized 
by Google as part of an ongoing effort to preserve the 
information in books and make it universally accessible. 


Google books 


https://books.google.com 


Google 


Über dieses Buch 


Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 


Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun Öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 


Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei — eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 


Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 


Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 


+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 


+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern dıe Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 


+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 


+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sıe sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 


Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter|http: //books.google.comldurchsuchen. 


= 
eo 


I Ay . 
RT ee 


PR 


RG 


Wr. 7 
EREIER 
yı7 I 


Ye 


Pr” 


x 


dädr 


FR 3 4 > 


EP m 7 
ne a 7 


Fre ; Kr 


a Er ’ 


Pro.genm. AHM + 


erg. 


ee 
a 


<36629977390015 


<36629977390015 


. Bayer. Staatsbibliothek 


3 
; . es 2 
% 


Pe Ä e 
'® 
ha 
i 
t 
4 
4 
‚ 
[ 
R 
s 


x 
. 
} 
Ei 
h) 
“ s 
ß 
f 
5 
R 
N 
t 
! 
ER 
t 
. 
r 
F 
in 
’ 
N 
‘ 
’ 
+ 


‘ 
n 
‘ 
. 
. 
t 
P 
Be 
= 
J 
on 
” 
“ 
‚ 


3 


Zn se 


ALBERS 


TUNDALUS. 


— ri — 


INAUGURALDISSERTATION 


ZUR 
ERLANGUNG DER PHILOSOPHISCHEN DOCTORWÜRDE 
VERFASST 
UND MIT GENEMIGUNG DER PHILOSOPHISCHEN FACULTÄT 
DER VEREINIGTEN FRIEDRICHS-UNIVERSITÄT 
HALLE-WITTENBERG 


MIT DEN THESEN ÖFFENTLICH ZU VERTEIDIGEN’ 
AM 


XVII JULI MDCCCLXXV VORMITTAGS XI UHR 


ROBERT SPRENGER 


AUS QUEDLINBURG. 


GEGEN: 


WILH. SEELMANN, os. rm, 
WILH. VOTSCH, pe. rnır. 


HALLE. 


w..: 
ww. 


ro: 


Yo 


Die vision des irischen ritters Tundalus * ist zweimal 
von älteren deutschen dichtern bearbeitet worden. das äl- 
tere gedicht, von dem nur zwei bruchstücke auf uns gekom- 
men sind (hersg. v. Lachmann, philos. histor. abhandl. der 
berliner academie 1836 s. 166 ff.), rührt von einem dichter des 
niederrheins her und gehört noch entschieden ins 12. jahr- 
hundert. volständig erhalten ist eine jüngere oberdeutsche 
bearbeitung, als deren verfasser sich ein geistlicher, Alber, 
nennt. „wir besitzen dieselbe nur in einer pergamenthand- 
schrift/der wiener hofbibliothek. die handschrift ist in kl. 
folio und zält 312 bezeichnete seiten, auf jeder seite zwei 
spalten. sie stammt nach angabe des catalogs aus dem 14. 
jahrh. unser gedicht steht von s. 221 sp. a—s. 250 sp. b. 
es sind 2190 verse. die erste nachricht darüber nebst aus- 
zügen gab Graff, Diutisca III. s. 401 ff. nur nach diesen 
auszügen kannte das gedicht Lachmann, der es erwähnt in 
oben erwähnter abhandlung s. 162. einen vollständigen ab- 
druck des textes gab, zusammen mit anderen stücken der- 
selben handschrift, erst 1840. K. A. Hahn. Gedichte des 
XD. u. XII. Jahrhunderts. Quedlinburg u. Leipzig MDCCCXL 
(Bibliothek der ges. deutschen nationalliteratur. bd. XX.) 
s. 41—66. dieser textabdruck, der ziemlich sorgfältig ge- 
macht zu sein scheint, ist dieser arbeit zu grunde gelegt. 


* so ist die richtige form. Tnugdalus, wie die lat. prosa und 
danach das deutsche gedicht hat, ist ein wenn auch schon alter fe- 
ler. 8». Gosche, archiv f. literaturgesch. Lpz. 1870. I. 486 fg. Mussa- 
fia, sulla visione die Tundalo. Vienna 1871. p. 3. Lit. Centralblatt 
1869. sp. 1299. 


Fa Fond 24.249670 


ia N 


! vn. 
re an Jir . 
ne 


4 


die angaben über die handschrift sind entnommen: Hoff- 
mann von Fallersleben, Verzeichniss der altdeutschen hand- 
schriften der k. k. hofbibliothek zu Wien. Leipzig 1841. 
8. 27. 

Bislang ist das gedicht noch nach keiner seite hin ei- 
ner untersuchung unterzogen worden. da uns nun dasselbe 
nur in einer handschrift erhalten ist, deren abfassung noch 
dazu, wie gleich auf den ersten blick zu ersehen ist, bedeu- 
tend später fällt, als die abfassung des gedichtes selbst, so 
scheint es mir vor allem nötig, dass wir uns über das zu 
vergewissern versuchen, was dem dichter wirklich zukomme. 
ich stelle zu diesem zwecke die sprachlichen abweichungen, 
in erster linie die lautlichen, vom reinen mittelhochdeutsch, 
wie es uns etwa Hartmanns gedichte bieten, zusammen. das 
dem dichter gehörige wird sich besonders aus den reimenh 
bestimmen lassen, doch wird auch manches im verse ste- 
hende zur ergänzung und bestätigung herbeizuziehen sein. 
anderseits wird sich ergeben, dass sich selbst in die reime 
einiges nur dem schreiber gehörige eingeschlichen hat. wenn 
auch manches, was sich von vornherein als grafische eigen- 
tümlichkeit des schreibers charakterisiert, angemerkt wird, 
so geschieht das vorzüglich deshalb, weil sich manche ent- 
stellung des ächten textes daraus erklären lässt. zugleich 
wird damit ein kleiner beitrag für die erkenntniss der ver- 
änderungen, denen die sprache im 14. jahrh. unterlag, ge- 
liefert werden. ausser der erkenntniss des ächten textes 
wird sich aus dieser zusammenstellung, vorzüglich aus der 
abhandlung der lautlere noch ein zweites wichtiges resultat 


ergeben: die bestimmung der heimat des dichters. 
ih 


Lautlere 


A. Vokale. 


a. 1. für o erscheint nur vor r und zwar in dem ein- 
zigen ‘wart’ für wort. es finden sich folgende reime: wor- 
ten: barten (securim) 43, 76; worte: harte 47, 7; harte: 
warte 54, 64. doch ist die stelle wahrscheinlich verderbt. 
siehe ‘vergleichung mit dem lat.’ wort: vart. 59,58. sicher 
verderbt ist 42, 58. ‘er sprach ze dem warte.’ es ist zu 
lesen ‘öwarte’ (hier in der ursprünglichen bedeutung “hüter 
des gesetzes’. d. i. sowol ‘könig’ als ‘priester”. 

über a für o bemerkt Weinhold. bair. gr. $ 6. “dasselbe 
ist nicht ausschliesslich, aber doch vorzüglich bairisch.’ die 
dort gesammelten reimbeispiele zeigen in überwiegender zal 
diese verdumpfung vor r. auch die heutigen bair. mund- 
arten zeigen noch durchweg diese verbreiterte aussprache des 
a vor r. siehe Schmeller. bair. mundarten $ 332. die aus 
alemann. gebiet beigebrachten beispiele bei Weinhold alem. 
gr. $ 11 zeigen die erscheinung gleichmässig sparsam vor 
n,r, b. / | 

2. für e. es können folgende reime angezogen wer- 
den. manicvalt: gezalt. 41, 8; 64, 11; kalte: gewalte. 
45, 43; pläspalgen: allenthalben. 56, 41; missehalten: en- 
galten. 58, 40; nicht beweisend ist gedrange (: enphangen) 
55, 41, das wol von dem gemeinmhd. stn. gedranc abzulei- 
ten ist. es erscheint also a für e in unserem gedicht nur 
vor lt; nur 56, 41 erscheint es in der form ‘pläspalgen’ 
vor 1g. 

1 


6 


den widerstand des a gegen den umlaut bezeugt als 
bairisch Weinh. bair. gr. $ 5. von den gegebenen beispielen 
ist besonders bemerkenswert. kalte: gewalte. vgl. kalte: 
behalte. Neidh. 14, 27. die beispiele aus dem alemanni- 
schen siehe W. al. gr. $10. er führt nur ein beispiel die- 
ser erscheinung vor lt auf: Boner 3, 65. gefalt: alt. gezalt 
ist übrigens sowol alemann. u. elsässisch vgl. gezalt : ge- 
walt. Barl. 241, 11; Trist. 17007, als bairisch. vgl. alt: 
gezalt Wolfr. W. 185, 5; 

3. a:d. 

getän: gewan. 42, 53; man: missetän. 42, 75: wolge- 
tän. 43, 22: getän: freissam. 47, 78; began: getän. 53, 28; 
sän: an. 50, 51; nicht hierher zu ziehen ist 61, 63. 

dö sprach der engel wol dan 
wir sulen für baz gän. - 

‘wol dan’ ist offenbar aus ‘wol getän’ entstellt. vgl. 46, 60. 
es erscheint also a: & nur vor n; einmal vor m, jedoch wo 
es zu n reimt. | | | 

a: & ist besonders vor n ausserordentlich häufig und 
findet sich in fast allen bair-österreich. gedichten des 13. 
jaährh. so finden sich bei Wolfram 461 solche reime, wo- 
von allein auf das wort man mit einschluss seiner compo- 
sita 251 fallen. siehe A. Schulz (San Marte) reimregister 
zu Wolfram s. 32. vergl. übrigens Weinh. bair. gr. $ 36.- 

ä erscheint statt seines umlautes @ in dem reime: 
wären : gebären 64, 22. der reim ist an sich zuläs- 
sig. vgl. Lachmann z. klage 1432; daneben erscheint auch 
die regelmässige, umgelautete form. gebaren: weeren 63, 11; 
gebzre: waere. 43, 32. 

über & für & vergleiche übrigens Weinh. bair. gr. $ 34. 
die dort aufgeführten beispiele. zeigen es besonders vor r. 
es findet sich auch durch reime aus dem 13. jahrh. belegt. 
auch die heutigen bair. mundarten sind dem & entschieden 
abgeneigt. | 

@ statt ö erscheint innerhalb des verses einmal in 
plespelige 54, 10. daneben aber auch plaspeligen 56, 41; 
wir dürfen diese formen unbedingt dem schreiber zurechnen. 


1 


es ist noch zu bemerken, dass der schreiber & gleichmässig ' 
für den umlaut_yon_a| und. & (mhd. ä und ®) gebraucht. | 
im reim erscheint zewxre; msre: zewzere 41, 54: die form . 
lässt sich im alem. u. bair. belegen. zewsre: riuwzere. 
Reinhart 1015. cf. Kolocz 387 s.; zewsere: verrätsere. 1855. 
cf. Kolocz. 409 s. Warnung 3512. sünd&re: zewsere. HZ. 
1, 534. Anegenge 30, 15. zewsre: unhelbsere; 40, 7. ze- 
w&re: wre. 

e. 1. für a. erscheint in ‘denne’ für ‘danne’, einmal 
durch den reim gesichert. brennen: denne. 45, 42; und 
‘der’ für ‘dar’, das sich aber nur innerhalb des verses fin- 
det. ausserdem in lenge (adj. fem.): anegenge. 54, 32. 
letzterer reim findet sich auch bei dem österreicher Fusses- 
brunn. 6%, 70. ‘der’ für ‘dar’ ist unbestimmtes e in tonlo- 
sem worte. vgl. bair. gr. $ 13; alem. gr. $ 17; 

2. e: €. erscheint sicher nur einmal im reime mer: 
mer. 44,60, denn 42,44 ist “meister herre’ in “meister höre’ 
(bezeichnung der heiligen. s. mhd. Wb. I, 663. sp. 15b.) zu 
bessern. 

reime zwischen e und & bietet Weinh. bair. gr. $ 48. 
vgl. auch Jänicke vorr. z. Biterolf VII. Haupt z. Neidh. 
89, 4. auch bei Wolfr. finden sich 14 solche reime. s. 
Schulz. reimr. p. 53; das einzige in unserem gedichte er- 
scheinende beispiel dieser freiheit entschuldigt sich noch 
dazu durch die schwierigkeit ein passendes reimwort zu fin- 
den. häufig dagegen ist: 

3. e: e. es finden sich folgende beispiele: wällen: 
zellen. 41, 1; helle: wöälle. 41, 26; gephlögen; engegen. 50, 
63; phlögent: legent. 53, 66; ger: Lucifer. 57, 20; geselle: 
snelle. 58, 27; engegene: sögene. 61, 85; erzellen : gesellen. 
64, 39; bet: stet. 66, 10; Alber: gewer. 66, 46. 

nach W. bair. gr. $ 12 hat sich die ursprünglich un- 
gleiche aussprache des e der brechung und des umlautes im 
13. jahrh. ausgeglichen. die bindung e: 8 findet sich bei 
fast allen bair-östr. dichtern des 13. jahrh. bei Wolfram 
erscheint sie 70 mal (s. Schulz, reimr. p. 49); besonders 


13, 139; 


nd 


8 
häufig auch in den Nibel. und im Biterolf. vgl. auch gr. 


dem schreiber gehört die einschiebung eines unächten 


- e. vgl. ‘horen’ st. ‘horn’. 42, 30. nur versehen desselben 
: ist es, wenn einmal e für ei steht: ledigen st. leidigen. 55, 39. 


& erscheint einmal mit ® gebunden: 55, 57. 
welt ir vernemen mere, 
wie getän were... . 
die erscheinung ist durch reime belegt bei Weinhold. bair. 
gr. $ 42. doch ist es bei der vereinzelung dieses beispiels 
wol erlaubt mere in mere zu ändern, das volständig in den 
sinn passt. 

ziemlich stark ist die apokope des e vertreten. auch 
anhängung eines unächten e findet sich. siehe “Formenlere’. 

: 1. für & erscheint in lint: sint. 48, 54; danach wird 
auch 42, 44 das handschriftliche “leuite’ in “linte’ zu bessern 
sein. ferner in dem fremdwort misse (:gewisse) 60, 11. 

die erscheinung ist bair-Österr. (s. bair. gr. $ 18) und 
alem. (s. alem. gr. $ 21, 82, 115) linen scheint ältere’ in 
Baiern und Schwaben (cf. Martina 292, 53) noch zuweilen 
aufstossende form zu sein (ahd. hlinön). speciell bair-österr. 
scheint misse. siehe bair. gr. p. 33. 

2. auch für e erscheint i einmal innerhalb des verses 
in wem 44, 32. es ist nicht mit sicherheit zu bestimmen, 
ob die form dem gedichte ursprünglich ist, doch ist es wahr- 
scheinlich, da sich dieselbe früh im beweisenden reime fin- 
det. wirme: ungehirme. Krone 17438;: gehirm. Ottacker 
c. 331; vgl. W. bair. gr. $ 18. 

ferner findet sich i für e hin und wider in den vorsil- 
ben ‘bi’ und ‘gi’ statt ‘be’ und ‘ge. dass dies i nur dem 
schreiber gehört zeigen die fälle, wo verschleifung mit fol- 


; gendem e nötig wird, zur genüge. zb. 47, 77. söle gitän; 
: 47, 30. swaere binam; wo benam, getän durchaus vom verse 


verlangt werden. 
3. i:i binden folgende reime: 
in (dat. pl. pron.): fiurin. 53, 8; sin: in. 59, 69; dazu 


) 


kommt wahrscheinlich noch in: guldin. 63, 15, denn das 
überlieferte 
si sach ob in scheinen 
einen himel mit ketenen guldeinen 
kann aus gründen des versbaus nicht richtig sein und ist 
wol so zu ändern: 
si sach schinen obe in 
einen himel mit ketenen guldin. 
möglich wäre auch, mit 'herstellung reiner reime: 
si sach ob in werden schin. 
gegen die überlieferte form ist ausserdem noch das beden- 
ken, dass adjectiva flectiert nachgestellt selten sind (Benecke 
z. Iw. 6432), die adjectiva auf in aber überhaupt in unse- 
rem gedichte fast durchweg unflectiert erscheinen. s. ‘For- 
menlere’. 
es ist für diese reime dehnung des i zu j anzunemen. 
sie erscheint meistens vor n. siehe Weinh. bair. gr. $ 51. 
bei Wolfr. finden sich derartige reime i: ill (und lOy:i). 
im alemannischen ist nichts derart bemerkt. über die ver- 
längerung des i in gir siehe unter ie. 
i wird in der handschrift stets durch es widergegeben, 
während das ursprüngliche ei durch &i bezeichnet wird. 


en 


dass ei nur änderung des schreibers ist, wird dadurch be- 
wiesen, dass sämtliche ei-reime sich in i-reime verwandelen : 


lassen. einen anhalt gewährt noch der reim liuten: weiten. 
42, 13, der nur in liuten: witen geändert einen allenfalls 
erträglichen reim gibt. übrigens erscheint noch zuweilen 
das ursprüngliche i. z.b. chetelin: glökelin. 63, 17; dricic 
‘43, 16; gitsac. 56, 66; giten 49, 9. sowie in der endung 
lich, lichen: jemerlich: geleich. 56, 61; 

ı für u, wie ın flizunder 48, 44 ist wol nur nachläs- 
sigkeit des schreibers.. da für ‘“tiuvel’ stets die form ‘tivel’ 
erscheint, so können wir auch die form tivel für den dich- 
ter ansetzen, besonders da auch die form mit kurzem i er- 
scheint. si verlangt v. 54, 6. der tivel ein michel presse. 
die verkürzte form erscheint auch bei Fussesbrunnen 97, 29. 


— ER. 


“ 


10 


(der tivel iht müezic funde. vgl. auch W. Grimm üb. Freid. 
p. 54. — nachlässigkeit des schreibers ist auch i für ie. 
gedinet. 45, 47; 

6. hier ist zuerst eine eigenheit des schreibers anzu- 
merken. derselbe bezeichnet nemlich einige male o durch 
6. es sind dies spuren eines unächten umlautes, der im 
14. jahrh. öfter erscheint. vgl. Weinh. bair. gr. $ 25. dass 
es dem schreiber gehört beweist wol schon der umstand, 
dass es in sämtlichen gedichten der handschrift erscheint. 
im Tund. finden sich: 42, 8. höniges; 58, 60. tör: vor. dem 
dichter gehört dagegen 

ö für e. ören: gehören. 64, 5. schöne: löne (pl.) 45, 
47. den widerstand des 6 gegen den umlaut im bair. beweist 
durch aufzeigung einiger reime Weinh. bair. gr. 8 54. vgl. 
w. gast 887. hören: ören; : tören 672, 9151, 13111; aus 
späterer zeit hört: wort. leseb. 62, 33; der nicht umgelau- 
tete plur von lön; kröne: löne. Gudr. 17, 3. 

über Ö im part. praet. nmel verba s. Formenl. 

u. 1. für ü. 

sunde: kunde. 60, 48; sunden: Enden 41, 6; sunden 
(inf.): kunden. 51, 86; lugen (dat. pl.): zugen. 61, 43; auch 
von ‘wunne’ findet sich stets die form one umlaut = reim: 
kunne. 41, 19; 59, 8; unwunne: kunne. 49, 24; 55, 81; 6. 

den widerstand des u gegen den umlaut im bair. be- 
zeugt Weinh. bair. gr. $ 29. dort auch reimbelege aus dem 
13. jahrh. 

2. für wo. wistuom: frum. 56, 9. 

die stelle ist zwar beschädigt, doch mit ziemlicher Si- 
cherheit zu bessern: 

ob einem kunt wire 

aller menschen wistuom, 

des wzere im dehein frum .. . 
es ist nicht ganz sicher, ob hier erweiterung des u zu uo 
anzunemen ist, oder schwächung des uo: u. wol das er- 
stere. der reim findet sich besonders bei bair. östr. dichtern 
des 13. jahrh. nicht unhäufig (auch bei Wolfr.). siehe 
Grimm, gr. B, 207. W. bair. gr. $ 114 (p. 110 f£.). aus 


11 


der zal der dort gegebenen beispiele ist besonders hervor- 
zuheben richtuom: ruom: vrum. Krone 22395; 

der schreiber setzt oft u, v für uo z.b. fuz: buz (fuoz: 
buoz) 45, 88; 

3. über u im praet. praes. s. Formenl. 

d4 wird von dem schreiber stets durch os widergegeben. 
es gilt dabei das über ei für i gesagte. einen directen be- 
weis, dass ou für ü dem schreiber gehört, haben wir noch 
in dem reime moure : tiure, wo müre : türe anzusetzen ist. 

4 für iu ist also anzunemen in dem reime moure: tiure. 
62, 10. es ist märe : idre zu schreiben. miure : tiure, was 
auch möglich wäre liegt wol ferner, da man sich wol er- 
klären kann, wie der schreiber moure aus müäre, nicht aber 
wie er es aus miure machen konnte. die umänderung von 
türe in das gewönliche tiure hat dagegen nichts auffälliges. — 
vgl. hierüber W. bair. gr. $ 60. zu den dort aufgeführten 
reimen füge noch Wolfr. Wh. 18, 1 amazzür : untür. 


B. Diphthonge. 


B ... 
u —— 


tu statt mhd. eu erscheint in den formen gestriut : gefriut. | 


62, 54, und in friude st. vreude, das durchgängig im verse | 
erscheint. es fragt sich, ob dieses iu dem dichter gehört, 
oder dem schreiber. doch wol dem letzteren, denn ein be- | 


weisender reim für dieses ?u findet sich erst bei dem Teich- 
ner, also in der 2. hälfte des 14. jahrh. 257 liut: gestriut 
(s. mhd. Wb. II. 2 s. 207). in diese zeit etwa wäre die 


niederschrift des gedichts zu setzen. übrigens scheint die- ' 


ses is dialectisch sehr beschränkt gewesen zu sein. Suchen- 
wirt, Teichners zeitgenosse hat es nicht. er reimt dagegen 
leut: freut. 4, 139; 10, 121; : gefreut 9, 123 (Koberstein, 


über Suchenwirt I. p. 26) *. wir hätten also hier eine nä- 


here bestimmung der heimat des schreibers. jedenfalls ge- 


* übrigens erscheint dies eu für :4 schon im 13. jrh. ungefreut: 
zwö rindes heut (d. i. hiute) Helmb. 1656. HZ. 4, 376. 


12 


'hört derselbe, entsprechend dem fundorte der handschrift 
‘nach Österreich. als ein beweis, dass dieses «u dem schrei- 
ber gehört kann auch der umstand gefasst werden, dass es 
in den sämtlichen gedichten der hdschr. sich findet. Wein- 
hold, der bair. gr. $ 95 über dieses iu spricht, kann mit 
ausname eines einzigen nur beispiele aus unserer hdschr. 
anführen. einmal; 53, 21 ist übrigens doch das richtige 
'vreude stehen geblieben. 

iu für 4 haben wir ın siul st. sül. 59, 73. die form 
ist für die frühere zeit in der stelle bei Berth. 28, 7 belegt, 
die aber verderbt ist (die in an die siule sluogen, mit recht 
bessert Müller ‘die’ in ‘der’). sicher ist sie bei Teichn. 192; 
Hadam. 159 (s. mhd. Wb. II2, s. 724) also erst in der zeit 


des schreibers. wir haben die form daher wol diesem zu- 


zurechnen. 

u: 1. 

erscheint einmal im reim koufliuten : witen. 42, 13. der 
reim kann durchaus nicht als reiner gelten und ist wol mit 
keinem beispiel aus dem 13. jahrh. zu belegen. im 12. jahrh. 
dagegen finden sich ähnliche reime nicht selten. z. b. Hart- 
mann v. gloub. 143. gediuten: witen; 195. ziten : gediu- 
ten; 795. geziten: liuten. 795. vielleicht ist die form liten 
f. liute anzusetzen. vgl. dinc-lite vom jahre 1183. Mo- 
num. Boic. 7, 434. der reim liten: witen wäre für unseren 
dichter unanstössig. s. “i: i. : steht übrigens auch für üe 
im bair. cf. tribesal (d. i. trüebesal) Windberger psalm. 
ed. Graff p. 54, 63, 133 6. 

ei. das ächte ei wird zum unterschiede von dem aus 
i entstanden in d. hdschr. durch xi bezeichnet; ein beweis, 
dass der unterschied noch gefühlt wurde. volständig in ei 
‚übergegangen erscheint das i in väiye, das stets vleizze ge- 
schrieben wird, sogar im reime weitze: vlaizze. 45, 63; 

ferner erscheint ei als contraction aus age und reimt 
als solche mit dem ursprünglichen ei. leit: geseit. 42, 61; 
widerseit: leit 45, 7; seite: bereite. 58, 15; schoenheit: seit. 
64, 4; geseit: arbeit. 65, 77; es ist das gemeinmhd. auf- 


13 


fällig ist die contrahierte form nur im conjunctiv. seist: 
verdeist. 65, 29; 

einmal erscheint aus irrtum ei für i gesetzt. 53, 18. 
leit ist ın Zt zu bessern. 

ou setzt der schreiber, wie schon unter ü bemerkt, one 
unterschied auch für mhd. ü. einmal erscheint es irrtüm- 
lich für wo. 55, 59. des vıl übelen tivels lout: muot. es 
ist Zuot zu lesen. s. Wortschatz. 

te für i findet sich nur in dem worte riht. niht: lieht. 
41, 35; 52, 20; 56, 1; 

dies ie ist als consonant. brechung von i zu nemen. 
vgl. bair. gr. $%. beispiele s. 93, die sich aus jedem bair- 
österr. ged. des 13. jahrh. werden vermeren lassen. 

ie: i ist nur scheinbar, denn 51, 56 ist statt Ziel (: mit) 
lit (membra) zu lesen; 52, 86. st. behilte (: wielt) behielt. 
ähnlich ist 60, 50 wirt (: behielt) in wselt zu bessern, wie 
schon Hahn bemerkt hat. es sind dies sämtlich nachlässig- 
keiten des schreibers. 

ie für i findet sich scheinbar in gier: vier. 49, 18. 
doch haben wir jedenfalls in gire: vire zu ändern. das i 
in gir erscheint schon früh verlängert in bair-österr. denk- 
mälern. so schon Notker, Boeth. hovegira, girheit. Gf 4, 
225; weiters s. mhd. Wb. I. 530; gier ist für die zeit des 
schreibers belegt bei Mone, Anzeiger VII, 54, 39; gir er- 
scheint übrigens hier substantiviert: unrehte gire, wofür im 
mhd. Wb. ein beleg felt. 

wo erscheint st. seines umlautes e: 

heimuote : guote (gen. fem.) = der güete. 61, 62. hier- 
her zu ziehen ist auch noch 62, 62 von guote ze guote, wo 
im folgenden verse das reimwort verloren ist, aber wol nur 
*heimuote’ ergänzt werden kann. — den widerstand des uo 
gegen den umlaut bezeugt W. bair. gr. $ 109 und belegt 
die erscheinung mit reimen. 

vo: ü könnte man anzunemen versucht sein 62, 58. 
magtüm: rum. doch ist jedenfalls ruom ‘gloria’ anzusetzen. 

über wistuom: frum. s. unter ü. 

üe ist in der hdschr. nur durch u, v ausgedrückt. z. b. 


14 


enphurte : rurte. 55, 73; glute: ungemute. 56, 39; muzzen: 
gebuzzen. 43, 4 6. 

e für we. — ein eigentümliches & findet sich für we. 
neben quelen 47, 23 erscheint: chölten. 51, 34; 56, 48; 
chöle. 56, 7; chölt. 56, 29. es ist jedenfalls költ etc. zu 
schreiben. vgl. ni W. bair. gr. $ 23. 


OÖ. Consonanten. 


a. Liquida. 


n. — es werden vokalisch auslautende wörter mit -n 


| er es sind das 


1. infinstive. lernen: gerne. 42, 71; brennen: denne. 


45. 41; erzellen: helle. 46, 43; 


2. parlic. praet. starker verba. wandelunge: betwun- 
gen. 45, 3; betwungen: zunge. 53, 24; lange: bevangen. 
54, 80; gedrange: enphangen. 55, 41; 

3. nur einmal erscheint eine sudstantivoform. jungen: 
bezzerunge (denn so ist statt des hdschriftl. becherunge 41, 
65 zu lesen, das wegen der betonung becherunge nicht rich- 
tig sein kann). vgl. 47, 6; bez3zern 61, 82; abfall eines n 
wäre auch anzunemen 45, 63. ze den bittern wize (: vlize), 


. doch hat eine änderung des der in dem oder der mehr für 


> 


„un 0. 


sich. 

über den abfall des n, der auf nasalierung beruht, siehe 
bair. gr. $ 167. im alemannischen ist er im einsilbigen 
worte (alem. gr. $ 203) und im infinitiv (alem. gr. $ 250) 
gebräuchlich. er findet sich auch im 13. jahrh. 

es sind noch einige verbindungen zu betrachten, die n 
eingeht 

nn erscheint gebunden 

1. mit ng. diese reime sind ziemlich An er- 
scheinen gleichmässig nach vorausgehendem a, i; nur ein- 
mal nach u. 

slange: danne. 42, 23; ergangen: dannen. 52, 58; be- 


15 


vangen: dannen. 41, 15; : mannen. 61, 13; bringen: hin- 
nen 44, 70; innen: ringen. 49, 48; twingen: hinnen. 57, 86; 
gewinnen: bringen. 59, 86; enspringet: zerinnet. 64, 47; 
Kärlingen: sinnen. 41, 40; verderbt ist wol 53, 62. dingen: 


brinnen. wir werden den reinen reim: ‘ringen’ herzustellen. 


haben. siehe unten ‘vergleich mit d. quelle. samnungen: 
nunnen. 41, 46; mandunge: wunne 52, 46; vgl. hierüber : 
W. bair. gr. $ 170, der auch bemerkt, dass noch heute im 
bair. ng für nn gesprochen wird. in bair. gedd. des 13. 


jahrh. erscheinen derartige reime nicht selten. zu den bei- | 


spielen bei Weinhold. a. a. o. füge Laurin 1213. ErADBSD: 
dannen. 

2. mit nd. nur nach vorhergehendem « u: es findet sich 
nur ein beispiel sunde: kunne. 44, 58; vgl. hierüber W. 
bair. gr. $ 171. die erscheinung ist überhaupt nicht häu- 
fig. es finden sich nur folgende reimbelege a. d. 13. jahrh. 
nach u. unden: kunnen. Gudr. 842, 4; kunde: brunne 
Laber 113, 4; füge hinzu Laur. 1219. versunnen: gebunden. 

ferner ist zu bemerken eine consonantische assimilation 
des n vor m. sie erscheint natürlich nur innerhalb des ver- 
ses, doch ist kein grund sie dem dichter abzusprechen : um- 
mzxre. 46, 72; ummaht. 43, 68; ummäzen. 54, 87; umm3#3- 
lich. 57, 71. zweifelhafter ist die veränderung des n zu m 
vor b. z. b. 57, 39. umbescheiden. durch diese neigung 
sind einige feler entstanden. im bewant st. in bewant 43, 
68; ebenso vermidem müezet st. vermiden m. 66, 1; vgl. 
W, bair. gr. 8 139. 

m erscheint mit -n EN aber nur nach a. Tram: 
an. 42, 15; getän: freissam. 47, 77; man: freissam. 49, 4. 
— vgl. bair. gr. $ 169 (auch $ 139). die gegebenen reim- 
beispiele füllen fast eine seite. 

auch mm: nn findet sich, nach i. | 

inne: grimme. 49, 10; stimme: sinne. 62, 16; vgl. bair. 
gr. 88 139, 109. ich kann folgende reime beibringen. ge- 
tennet: gekemmet. Parc. 73, 5; grimme: välentinne. Gudr. 
629; grimmen: gewinnen. 921; getwerginne: gimme. Laur. 


| 


16 


833; grimme: gewinnen. 1463; — grösser scheint die nur 
einmal erscheinende freiheit. 

mm: ng, nach i. 

stimme: singen. 63, 40. vgl. bair. gr. $ 139. reim- 
.beispiele sind dort nicht gegeben. ich kann nur beibringen 
Raben. 243, 6. grimme: geringe. | 

r. es erscheint einmal -r mit vokalisch auslautendem 
worte gebunden. vinger: ringe. 46, 1; vgl. darüber bair. 
gr: 8 162. 

ausfall des r im inlaute zeigt sich in gevoderöt st. ge- 
vorderöt. 47, 62. die form wird bair. gr. $ 169 aus den 
Monum. boic. belegt. da sie sich nur einmal und zwar im 
verse findet, so gehört sie wol nur dem schreiber. 

im gegensatz dazu findet sich einschub eines r in :n- 
nerclichen (so zu schreiben) 42, 61 ö. auch mit umstellung 
“inreclichen’, sowie in gekleidert. 61, 22. vgl. bair. gr. $ 163. 
es ist nicht mit sicherheit zu bestimmen, ob die formen dem 
dichter oder dem schreiber gehören, da beide, wie schon 
jetzt klar sein wird, der bair-österr. mundart angehören und 
aus den zusammenstellungen a. a. 0. nicht zu ersehen ist, 
wann die erscheinung zuerst auftritt. 


b. Linguale. 


d für T ım inlaut. 

beweisender reim ist strides: nides. 45, 75. nicht sicher 
ist nande: erkande 46, 35; wo ebensogut nante: erkante 
gestanden haben könnte. beweisend dagegen wider solde: 
dolde. 60, 52, da solde als die dem dichter gehörige form 
sich ausweist durch die reime holden: solden. 61, 36; solde: 
holde. 65, 11; solde: golde. 63, 81; ebenso wolden: holden 
64, 37. wolden u. solden sind algemein mhd. — die nei- 
gung inlautendes t in d zu verschieben ist dem bair-österr. 
eigen. vgl. W. bair. gr. $ 141. 146. von den dort gegeb- 
nen beispielen bietet die beste analogie Dietr. fl. 1143. Ii- 
det: bidet. einige reime aus späterer zeit siehe bei Waetzoldt, 
Pariser Tagezeiten s. 33. 


17 


d: b erscheint zweimal im reime 
liden: schriben. 41, 10; 49, 38; 

über d: b siehe W. bair. gr. $ 145. einen reimbeleg 
bietet er nicht. ich kann beibringen. selbe: velde. Parc. 
93, 23; selben : melden. Gudr. 848: engelden. 1491; haben: 
geladen. Laur. 999. Dietleibe : beide. Bit. 13073, 

t : p erscheint in: 

zit : lip. 65, 3. vgl. bair. gr. $ 123.: reimbelege felen 
dort. ich kann anführen. Bit. 8193. Dietleip : breit; : ge- 
meit; 9915 : leit. 13073. niet : liep. Alph. 78. 


c. Labiale. , 


b steht einige male statt p im anlaut. brise : wise. 
63, 21; briesters. 66, 44. im auslaut: grab : gab 44, 22, 
begruob : huob. 44, 33; — W. bair. gr. $ 121 gibt an, 
dass das bair b vor liquida bevorzuge. chronologisch lässt 
sich kein unterschied nachweisen, doch gehören die formen 
in ihrer vereinzelung wol eher dem schreiber. übrigens er- 
scheint gerade die tenuis statt der media in der hdschr. 
häufig. es steht so p statt b in folgenden worten: prunne. 
64, 46; prechent. 53, 15; Prandanus. 64, 67; plaspelige. 
54, 10; 56, 41; pliwen. 54, 71; prant 57,3. vor vokalen: 
perges. 48, 34; pesmen. 62, 84; Regenspurc. 41, 44; ebenso 
erscheint aber auch b vor 1 und r, teilweise in denselben 
formen: bleichen. 56, 78; bisten. 56, 41; branten 56, 48; 
brechent 57, 57, brinnen. 57, 62; — wir haben hier wol 
die verschiebung des b zu p dem schreiber, die formen mit | 
b dem dichter zuzuschreiben. 

ph. erscheint einmal aus nachlässigkeit des schreibers 
für p gesetzt. phlicte 59, 78, wo er oflenbar plihte schrei- 
ben wollte. 

f erscheint st. b im inlaut: hüfscheit. 45, 79 — hüb- 
scheit; diufe stf. 50, 14 = diube. — f erscheint in diesen 
formen in bair-österr. werken öfter. siehe die beispiele bei 
Lexer I, 441; es ist noch zu bemerken die doppelung des 
f. sie erscheint 1. im inlaut one unterschied nach kurzem, 


18 


langen vokal und diphthong: ruffen 43, 71; 44, 10; 51, 46; 
tieffen. 58, 4; wffen (wuofen) 44, 11; chrefften. 63, 84; ge- 
schsffte. 60, 54; 2. im auslaut ebenso: ruff : wff (wuof) 48, 
47; 53, 22 ö. schrifft. 60, 59; chrafft. 54, 63; 54, 74; bi- 
greiff. 54, 53. — auch diese doppelung des f gehört unbe- 
dingt dem schreiber. W. bair. gr. $ 129 bemerkt ‘seit dem 
14. jahrh. wird ff überhaupt sehr häufig in- und auslautend 
geschrieben.’ | 


Gutturale. 


| Ich , will zuerst einige eigentümlichkeiten des schrei- 
: bers anmerken. derselbe setzt im anlaute stets ch statt 
ik. ch erscheint zwar auch im bair. schon frühzeitig 
' (s. bair. gr. $ 181). wir haben jedoch keinen grund anzu- 
| men, dass der dichter vom gemeinmhd. gebrauche abgewi- 
chen sei. es ist deshalb schon in den bisherigen anführun- 
gen meist ch mit k vertauscht. auch im inlaute erscheint 
es gemeinlich, ebenso im auslaute. hier müsste sich ent- 
schieden ein beweisender reim finden, wenn ch dem dichter 
gehören sollte. dieser felt jedoch und ausserdem ist in ei- 
nigen  worten das ursprüngliche c erhalten: kunic, 42, 55; 
dricic. 43, 16; zehenzic. 56, 33; chreftic 51, 5. die selten- 
heit der beispiele spricht eher dafür, dass c ursprünglich 
war, als für das umgekehrte. es hat der schreiber. diesel- 
ben eben zu ändern vergessen. dasselbe gilt auch für cch 
im inlaute, doch erscheint hier auch k st. ck : eken : man- 
sleken. 47, 79; 57, 34; bruke. 49, 71; ruke. 49, 87; 59, 
18; glökelin. 63, 18; einmal ch st. ck. buchel. 48, 85; fer- 
ner erscheint ch scheinbar für qu. neben quelen 47, 23 
chölten 51, 34; 56, 48; chöle. 56, 7; chölt 56, 29; auch 
hier ist k zu schreiben. Folgende dialectische eigentümlich- 
keiten finden sich im reime: 
ch : g. 59, 14. dö diu sel gedachte. 
der engel ir dö sagte. 
der vers ist felerhaft überliefert, wie leicht zu ersehen. es 
ist zu lesen ‘dö diu sel gedagte (taceret)’. villeicht gehört 


19 


hierher. ungemächlich : unverträglich. 54, 54. doch darf 
streng genommen nur die silbe -#ch reimen, was wol auch 
hier anzunemen ist. siehe unter ‘Reim’. an und für sich 
wäre die freiheit in einem bair. ged. nicht anstössig. siehe 
W. bair. gr. $ 177. 

ch: FF. | 

volleclichen : angrifen. 45, 49; erblichen : begriffen. 
44, 3; Weinh. bair. gr. $ 132, 134 weist diese erscheinung, 
aber nur vor ? nach. 

g : d — swigen : liden 42, 69; 

ähnliche reime sind swiger : nider.. Wolfr. Wh. 143, 11; 
 Rupr. v. Würzburg von zwein koufman Altd. wälder 1, 56. 
639. Gudr. 723, 1 geligere : widere auf der cäsur. 

g:b. 

bläspalgen : allenthalben. 56, 41; ungefuoge : gruobe. 
55, 5. — die erscheinung ist ziemlich häufig im Parz. vgl. 
53, 19. gäbe : mäge; 17, 29. gäben : lägen; 211, 27. ge- 
pflegn : gegebn; 10, 25. ougen : rouben; 417, 21. gelouben : 
ougen, und im Laur: 597. degen : ergeben; : geben. 1811, 
1813; : leben. 777, 1399; 1317. phlegen : leben; 1745. ge- 
ben : gelegen; 1833. segen : gegeben; 1139. erhaben : sagen; 
— Bit. 1629. Bergen : werben; Gudr. 916. phlegen : ge- 
geben; Kol. cod. 159, 69. gephlegen :; geben. | 

ct wird zu ht: 

1. nach a. bedahte. 65, 6; bedaht (o p.) 47,50; 59, 80; 

2. nach i. plihte : gerihte. 59, 78; richten : nihten. 
54, 10; 

3. nach #. zuhte : kuhte. 62, 78. 
vgl. Weinhold. bair. gr. $ 183, der aber nur beispiele die- 
ser erscheinung nach a gibt. 


zum gebrauche von s, 3, 2, 12. 


Der schreiber setzt zz für 3 nach langem vokal und 
diphthong. sazzen. 58, 31; stozzen : grozzen. 57, 12; groz- 
zer. 42, 65; hiezzen : liezzen. 53, 34; heizzen. 61, 78; 
vleizze. 45, 64; 51, 34. so immer. muzzen : gebuzzen (üe) 

2 


20 


43, 4; unsuzze : fuzze. 52, 63; 56, 21; fuzze : suzze. 62, 
68; muzze : buzze. 65, 57. auch 

iz für 3 gehört nur dem schreiber, denn 45, 63. weitze: 
vleizze ist ‘wize : vlize’ zu schreiben. ebenso ist 53, 36. ant- 
heizzen : reitzen in “antheizen : reizen’ zu bessern. zwar 
trat der harte laut in diesen worten schon im 13. jahrh. 
auf (s. Müller, mhd. Wb. U, 1, 174), doch dürfen wir ihn 
hier jedenfalls nicht annemen, wo durch die widerherstel- 
lung des ursprünglichen 3 die reinen reime hergestellt wer- 
den. | 

auffällig erscheint tz in hintz, datz — hin ze, dä ze. 
das in z (=t-+s) enthaltene t ist grafisch noch einmal 
gesetzt. 

3 :s erscheint in den reimen 
daz : was. 41, 38; was : daz. 44. 32; hüs : her üz. 43, 56; 
— s. W. bair. gr. $$ 150, 153, wo sich auch reimbelege fin- 
den. doch ist die erscheinung keineswegs bloss bair., son- 
dern. auch alem. vgl. gr. I3, 414, wo neben mehreren bei- 
spilen aus dem Parzival auch solche aus Flore aufgeführt 
sind. 

zu bemerken ist noch, dass neben z auch die schrei- 
bung e erscheint: dricic. 43, 16; ceit. 43, 12; herce. 46, 83; 
ercellen. 59, 9; daz wurde in den hdschr. oft durch die ab- 
kürzung de gegeben und konnte so leicht mit dö und d& 
verwechselt werden. so scheinen folgende feler entstanden : 
45, 18. daz do st. dö daz; 47, 59. daz st. dä. ebenso 60, 
5. daz.st. dö 47, 12; durch dieses c erklärt sich auch der 
ausfall eines ce in dinc (ce) stunde. 58, 16; und da chom 
st. dac chom. 60, 75. 


Formenlere. 


Declination. 


Apokope des -e im nominatio und accusaliv starker und 
schwacher substanliva findet sich in folgenden fällen durch 
den reim gesichert. nas : was. 44, 1 (ders. reim Kröne 
7503; Gen. Diemer 5, 15); aht::vaht. 55, 30; goum : boum. 
63, 29; bot : got. 52, 32, 53, 52; für sel, das in dieser 
form häufig und in allen casus erscheint, ist, wie sich aus 
der beobachtung des verses ergibt, die apokopierte form nur 
für nom. u. acc. sing. dem dichter gehörig. vgl. W. bair. 
gr. $ 349. cf. Wig. 157, 9. Jorel : sel (acc. sg.). auch im 
genelio und dativ sing. erscheint die apokopierte form im 
reime. dat. gote : spot. 5l, 24; 52, 22; got : gebote. 59, 
1; gen. schame : man. 53, 18; unentschieden bleibt: got 
(dat.) : krot. 42, 22; stet (dat.) : tet. 41, 35; bet : stet 
(dat.) 66, 9; 

auch vom adverb erscheint die form mit abgeworfenem 
-6. schier : tier. 48, 79; 52, 60 (daneben auch die volle 
form: schiere : ziere. 59, 60); balt (st. balde) : manicvalt. 
52, 40; 

nur scheinbar ist die apokope im nomin. plur. gier : 
vier 49, 18. es ist ‘gire : vire’ zu schreiben, wie schon oben 
gezeigt (s. unter ‘ie’); — auch diese apokope des e ist be- 
sonders dem bairischen eigentümlich. noch heute ist sie in 
den bair. mundarten durchaus regel. s. Schmeller. bair. 
mundarten p. 79. 

im gegensatz dazu findet auch anküngung eines unäch- 
ten -e statt in dem subst. ledere (: vedere) 52, 67, sowie in 
dem adv. sidere : widere 50, 31; nidere : widere 50, 59; 


22 


‘während der abstoss des -e aus dem lebendigen dialect 
hervorgeht, scheint der seit dem 12. jahrh. vorkommende 
anschluss eines unechten e ein gemeindeutscher falscher pro- 
zess.’ W. bair. gr. $ 342. doch scheint auch diese erschei- 
nung besonders im bair. hervorzutreten. häufig ist sie z.b. 
im meier Helmbrecht. s. Lambel z. v. 242. der reim le- 
dere : vedere findet sich wider bei Nithart ed. Haupt p. 16 
unten. nidere : widere auch Iw. 617 (s. Lachmann 2. d. st.) 
5371 fg. . Flore 4267, 4767. vd. Hagen, Gesamtabent, I. 
219. v. 289. | 

abwerfung des -en der endung. erscheint im pluralis 
schwach flectierier substantiva und adjectiva. folgende reim- 
belege finden sich: die verschaffen (nom. pl.): phaffen. 51, 
64; 53, 30; die verstözen (acc. pl.): grözen. 52, 36; den 
verwäzen (dat. pl.): zeläzen. 54, 30; die unbescheiden (nom. 
pl.): meineiden.-57, 39; die gevangen (acc. pl.): enphangen. 
61, 55; hierher gehört wahrscheinlich auch 56, 67. | 

daz wären die söle verstözen 

durch ir val grözen. 
denn verglichen mit 52, 36 scheint es mir hier besser s&le 
zu streichen, als wär» zu schreiben. es wird dann auch 
die verschleifung auf der letzten silbe vermieden. 

siehe Grimm gr. I, 683, W. bair. gr. $ 348, der die 
erscheinung aber nur für den nom. und acc. plur. feststellt. 
das eine beispiel 53, 40 (so zu lesen st. 53, 30) hat er aus 
unserem gedichte beigebracht. für den sing. schwach flecier- 
ier wörter belegt diese kürzung Lachmann z. Nib. 216, 1 
mit Wig. 8465 (mit unrecht von Pfeiffer z. 217, 1 bestrit- 
ten) Otnit 396, 494. Hugdietr. 99. | 

aus der flection der adjectiva ist noch anzumerken, dass 
die adjectiva auf -in fast durchweg unflectiert erscheinen. 
dass diese eigenheit dem dichter gehört beweist v. 56, 26. 
er höt manegen isnin nagel. 47, 49 isnin überlit. doch ist 
zu lesen 49, 75 isninen; ebenso 56, 76; 62, 34. guldinen, 
wie 62. 39. über v. 63, 13 siehe u. ‘Lautl.’ — schon Hahn 
spricht hierüber z. 56, 26. er führt als belege für das wei- 
tere vorkommen dieser erscheinung an Parz. 236, 26; 256, 


23 


. 21; Tit. 141, 4; Nib. 551, also sämmtlich aus bair-Österr 
auellen. 


comparation der adjectiva. 


das ursprüngliche ?s? des superlat. erscheint in folgen- 
den formen: alrerist : ist. 42, 40; oberiste. 50, 80; wirsisten 
53, 20; schuldigiste. 66, 43; vgl. W. bair. gr. $ 246. ‘das 
bair. zog. ir, ist vor und behielt es in dem geschützten su- 
perlativ sehr lange bei.’ 

das -r der comparativendung erscheint EREEEN in 
dester für deste durchweg. diese form ist besonders aus 
den Nibel. zu belegen. s. mhd. Wb. I, 316b; gr. 3, 594; 
4, 753; 


Conjugation. 


apokope des -e zeigt sich auch hier und zwar im prae- 

teritum schwach flectierter verba. im beweisenden reime 
stehen folgende beispiele. gert : swert (es ist plur. und daz 
zu streichen) 43, 79; widerseit : leit. 45, 7; erkant : vant. 
45, 16; lachet : gemachet 48, 20; keret : meret. 56, 83 (es 
sind auch dies praeteritalformen und 56, 82 sst st. beiraget 
zu lesen “belrägte’ wie der vers verlangt) ; neiget : gezeiget. 
58, 4; kniet : diet. 60, 4; beweinet : meinet. 60, 58; 62, 30 
gibt die hdschr. folgender massen : 

si lebten harte schone 

ein tiure chrone 

ir iegliches houbet hete gezieret 

mit vleizze gewieret. 
der vers ist nur so herzustellen: 

si lebten harte schöne: 

ein vil tiure kröne 

ir ieglich houbet zieret 

mit vlize gewieret. 
zierel v. 62, 32 ist also perfect mit abgeworfenem e. die 
stelle zeigt uns übrigens, dass dem schreiber die apokopier- 
ten perfectformen nicht recht genem waren. sie sind des- 


24 


halb auch innerhalb des verses, falls dieser nicht durchaus 
zusatz eines -e verlangt, beizubehalten. 

nicht dem dichter gehört dagegen die anhängung eines 
-e an verbalformen. 66, 33. geberte : verte ist in ‘gebert : 
vert’ (s. Declination) zu bessern. 

die im stamm auf -t ausgehenden schwachen verba syn- 
kopieren das -ei der bildungssilbe. es ist dies gemeinmhd., 
geschieht aber bei unserem dichter in grossem umfange: 
leisten 43, 48; gerihte (: geschihte) 44, 42; tröste (: erlöste) 
49, 56 (: löste); 60, 82; bereiten (: arbeiten) 50, 56; dulten. 
58, 32; friste. 44, 33; 

46, 80. dar umbe fristet got sinen zorn. 

ich bin geneigt die contraction auch hier für das prae- 
sens anzunemen und zu schreiben ‘dar umbe frist got sinen 
zorn’. ich halte die änderung für leichter, als si» für sinen 
zu schreiben, wie Haupt z. Erec. 1966. vgl. übrigens gr. 
I, 410; 

infinitiv. das -en der infinitivendung wird zuweilen 
apokopiert: offen. st. offenen. 41, 50; zeichen (: bleichen) 
st. zeichenen. 43, 84. — doch ist diese apokope nur nach 
langer silbe gestattet. vgl. gr. I, 929 fi. v. 65, 78 ist des- 
halb “begegent’ nicht in ‘begegen’ (s. Hahn z. d. st.), sondern 
in ‘begegenen’ zu bessern. diese apocope der infinitivendung 
erscheint in alten quellen nur vereinzelt. vgl. noch Weinh. 
bair. gr. $ 311. in den heutigen bair. dialecten ist der vo- 
kal der infinitivendung stets unterdrückt. 

parlicipium. 

im part. praes. erscheint statt der form mit abge- 
schwächtem e einigemal die volle form: munde : brinnunde 
52, 76. innerhalb des verses: ginunde 49, 79; fliezunder. 
48, 44. 47, 67 ist ‘glünden’ zu schreiben, wie der vers ver- 
langt. cf. 54, 7. — diese vollen formen finden sich sowol 
im bair. (s. W. bair. gr. $ 312), als auch im alem. bis ins 
17. jahrh. (W. alem. gr. $ 372. p. 380). sie finden sich 
vereinzelt auch in den höfischen gedd. des 13. jahrh. vgl. 
auch Gr. I2, 367. 


25 


auch im part. praet. schwacher verba erscheint die volle 
form durch den reim gesichert: 
verwandelöt : töt. 44, 72; :nöt 58, 17; : gevoderöt. 47, 61; 

auch diese formen erscheinen sowol im bair. (W. bair. 
gr. $ 303) als im alem. (W. alem. gr. S 372. s. 380), vgl. 
auch W. Grimm, üb. Freidank p. 47. gr. I2, 957. 

Es ist noch einiges von verbalformen anzumerken, die 
bei den einzelnen dichtern im reime verschieden behandelt 
werden. auch hier wird sich durch beobachtung der reime 
einige male nur dem schreiber gehöriges bessern lassen. 

haben. praet. 3. sing. durchweg Ae (also auch hier 
die neigung zur apokope) : stet. 41, 60; 60, 33; 2. pers. 
het und höte, beide nur im verse das nur einmal erschei- 
nende Atiel. 59, 83 (gleich 59, 84 erscheint wider het). ist 
daher, obgleich ‘vorzüglich bairisch’ (W. bair. gr. $ 320) 
dem schreiber zuzurechnen. übrigens findet sich auch für 
die form höt kein beweisender reim. wir könnten ebenso 
gut hdi : siät annemen, werden aber gut tun hier bei der 
überlieferung zu bleiben. entschieden zu bessern ist Adtest 
42, 63 in hete, was der vers verlangt. — iuor. praet. 1. 3. 
sing. stets in der apocopierten form Zei : stet. 41, 34; 43, 
62 ö.; tet : bet. 61, 1. doeh könnte in beiden fällen auch 
lete gesetzt werden. die 2. sing. erscheint nur einmal in- 
nerhalb des verses: du tat. 75, 85; — wel. praes. 2. sing. 
dü wi :vil. 45, 5; im praet. die form mit d. wolde : solde. 
43, 48; 45, 17; beweisend ist der reim wolden : holden. 
64, 37; — weiz. praet. erscheint im reime in der form 
weste : reste. 50, 78; veste : weste 60, 68; im verse stets 
wesse. 54, 77, 64, 62 ö. beide formen finden sich auch 
sonst neben einander. vgl. W. bair. gr. $ 333; — von gen 
und s/£n kommen im indicativ und infinitiv sowol die for- 
men auf &, als die auf d vor. vorwiegend sind die formen 
auf 4 praes. stät : rät. 46, 66; : hät. 60, 443 gät : hät. 48, 
51; begät : hät. 51, 83; : Kuonrät 66, 11. auch wenn 
beide auf einander reimen: ergät : bestät. 65, 37; begät : 
enstät. 52, 2; die auf &: stet : het (vgl. das über diese 
form gesagte) 41, 60; 60, 335; erget : höt. 63, 49; 


26 


vom infintitiv erscheinen im beweisenden reime die formen 
auf 4. gän : sän. 50, 23 : wolgetän 61, 64; mit & nur wenn 
beide auf einander reimen, also nicht beweisend besten 
(so st. stön zu lesen vgl. 65, 48) : gen. 63, 27. smperativ. 
genc (so st. gent zu schreiben) 55, 77. innerhalb des verses 
erscheinen im praes. und infinit. fast durchweg die formen 
auf &. praet. im reime nur die vokalisch auslautende form 

e : bevie. 46, 22; : verlie. 47, 10; 63, 3 (denn so wol 
auch hier zu schreiben st. lie). vom pari. praet. erscheint 
die contrahierte form, die vorzüglich bairisch ist. vgl. Weinh. 
bair, gr. $ 274. begän : getän. 46, 8; v. 47, 40 lautet: sie 
komen gegangen in kurzer stunt. ‘durch anname der con- 
trahierten form wäre der vers zu bessern: si komn gegän 
in kurzer stunt. doch ist wol ‘gegangen’ zu streichen und 
zu schreiben: si kömen in vil kurzer stunt. 


Wortschatz. 


Aus dem wortschatze des gedichtes scheint mir folgen- 
des zur bestimmung seines dialectes hervorzuheben : 
getrählte = proles. 
v. 53, 6. daz unreine geslähte. 
daz bese geträhte 
daz alsö wirt von in 
daz hät houbet fiurin 
der sinn lehrt, dass geirähle hier nicht soliehrun von 
trahle. stf. = sinnen, trachten sein kann, worunter unsere 
stelle im mhd. Wb. und bei Lexer fälschlich eingereiht ist, 
sondern ein synonimum von geslähle sein muss. es stellt 
sich zu bair. #rakt. vgl. Aind-tracht. Schmeller B. W. ed. 
Frommann I, 644 unten. 
miteche. sw. m. 44, 27 ‘quarta feria’. die contrahierte 
form findet sich noch jetzt im bair. siehe Schmeller B. W. 
IV, 11; 


27 


zerennen. st. v. = schmelzen. 47, 70; 56, 44. im mhd. 
Wb. I, 1, 120 nur aus unserem ged. belegt. es findet sich 
noch Williram ed. Hofm. p. XLIV. g. älso min wine ze mir 
sbräh, do wärt min sela zerennet = cant. 5, 6. anima mea 
liquefacta est, ut locutus est. das wort findet sich noch 
heute im bair. vgl. Schmeller B. W. III, 100. 

übersehen erscheint in unserem ged. als blosse verstärkte 
form des einfachen ‘sehen’. 48, 8. d& was niht tiure dehein 
der ungemach, den dehein ouge ie übersach. von den mhd. 
Wb. I, 2, 278 gegebenen beispielen zeigt genau diese be- 
deutung nür Krone 100a. daz beste gemach daz ouge ie 
übersach. füge hinzu Jüdel 118 (Hahn 130, 50) der aller 
schcenist kinde ein, daz dehein ouge ie übersach. . 

schilere adv. = dünn. 49, 65. s. Schmeller B. W. III, 
415. im mhd. noch belegt Servat. 3237; mit abgeworfenem 
e Lohengr. 4601; | 

ergateren. 50, 28. J. Grimm vermutete dafür in seinem 
handexemplar des ged. (im besitz der berliner universitäts- 
bibl.) eritateren. D. W. Il, 816 setzt er erdateren. doch 
findet sich das wort in dieser bedeutung (= erzittern) noch 
Mai 189, 33 (s. Lexer I, 627). das in norddeutschland dia- 
lectisch gebrauchte ergattern (etwa = erschnappen) wird 
allerdings kaum damit zusammenzubringen sein. 

glien. st. v. — schreien. 51, 47 ist ebenfalls nur aus 
bair-österr. quellen belegt, mhd. Wb. I, 548; Lexer I, 1033. 

zant. stm. — zan. 49, 7; 55, 65 ist wenigstens vorzügl. 
bair-österr. u. meist aus bair-österr. quellen belegt i.mhd. Wb. 
III, 848. vgl. Martin z. Gudr. 1510. Schmeller B. W. IV. 268. 

luot (so st. lout zu lesen) stf. 55, 59; findet sich noch 
Parz. 675, 14. vgl. F. Bech, Germania VII, 301; zu den 
im mhd. Wb. verzeichneten stellen ist noch nachzutragen 
Geo. 507. dä wirt iu von uns gesant von den heiden grözez 
luot (: gemuot). cf. Ottok. 82a. 

gesunder adv. — besunder. 58, 67 ist immer noch nicht 
weiter belegt, denn das citat Lexers Bit. 427 ist ein miss- 
verständniss. wenn man aber gereit für bereit vergleicht, 
so hat man, glaub’ ich, keinen grund zur änderung. 


28 


riche. st.v. = ‘raffle mit den händen zusammen’ 56, 86. 
s. mhd. Wb. II. 588; Lexer II. 360. an beiden orten felt 
unsere stelle. als bair. belegt von Schmeller III, 14. 

geschäfte. stn. 60, 54 — gescheffede = anordnung, be- 
fel. in dieser bedeutung nur noch belegt bei dem österrei- 
cher Fussesbrunnen. mit einigen stellen aus späteren bai- 
rischen quellen (monum. wittelsbach. und 4 stellen einer 
augsburger chronik) bei Lexer I, 897. 

bescheidenliche = deutlich. 59, 33. besch. sehen. so 
noch Nib. 1827. 4; frauend. 558, 17. das wort erscheint 
in dieser bedeutung überhaupt fast nur in bair-österr. quel- 
len. siehe mhd. Wb. II2, 103; Lexer I, 204; vgl. auch 
Bartsch z Karl 853. 

beliben. Müller im mhd. Wb. I, 969. u. d. w. bemerkt 
‘auffällig ist frauendienst 50, 29, wo beliben mil dem ac- 
cusativ construiert wird: daz ich die vart beliben (von ır zu- 
rückbleiben, sie unterlassen) sol. eine zweite stelle wäre wull- 
kommen.’ folgende ‚stellen aus unserem gedicht zeigen zwar 
keinen accusativ nach belihen, bestätigen aber, worauf es 
wol hauptsächlich ankommt, die bedeutung des einfachen 
beliben = beliben läzen: 47, 2. niht dü belibe, düne sagest 
besunder diu manicvalten wunder; 50, 49. si mohte niht 
beliben, die kuo begundes triben. vgl. Syntax. 

als anerkannt bair-österr. worte sind noch zu bemerken: 

Järtä. 51, 30. (s. L. z. Nib. 446, 3; Jänicke z. Bit. 
1875). | | 
sän. 50, 51; siehe Pfeiffer Germ. VI, 242. das wort 
ist recht eigentlich dem gotisch-niederdeutschen eigen; doch 
findet es sich auch im. bair-österr., im BIEDESChVEN, ‘kaum 
jemals’. 

wergol. siehe Diemer z. Genes. 2, 272. gr. 3, 243 (4, 81). 

abweichendes geschlecht vom gemeinmhd. haben: bli. 
m. 56, 46. gemeinmhd. neutr.; s. bair. gr. $ 239; ende. m. 
44, 17; ahd. anti. m.; mhd. neutr.; masc. noch in den Nib. 
und im jüng. Tit. s. Lexer I], 550. 


Syntax und Stil. 


Ich hebe in folgendem die wichtigsten syntactischen 
erscheinungen aus unserem ged. hervor und füge einiges 
zur charakteristik des stils bei. | 

I. &0 xowov. ein zwischen zwei satzglieder gestelltes 
@rr0 xoıvov findet sich in altertümlichen und volksmässigen 
mhd. gedichten, der höfischen poesie des 13. jahrh. war es 
fremd geworden. vgl. Haupt z. Erec. 5414. in unserem 
ged. erscheint es in folgenden beiden formen. 

das zwischen zwei satzglieder so eingeschobene, dass es 
sich auf beide bezieht, ist 1. eın sudstantivum im nominalı- 
vus. 55, 37. dö si dirre dinge verjach unt si eine gesach 
der leidigen tivel schar huoben sich vrelichen dar. die er- 
scheinung ist durch beispiele belegt. v. Haupt a. a o. 
gleichwol scheint die stelle verderbt, denn es ist anstössig, 
dass schar hier einmal als singular., das andere mal als 
plur. zu nemen ist. mir scheint daher zu schreiben: unt 
sich eine gesach (sich allein sah). die vergleichung mit d. 
lat. text (s. 14, 13) ergibt hier nichts. 2. ein substantivum 
im accusalivus. hierfür findet sich das sichere beispiel 47, 
2. niht dü belibe dune sagest besunder diu manicvalten 
wunder sol kunden din zunge der werlt ze bezzerunge. 

II. eın casus (hier des pronomens) ist aus dem vorher- 
gehenden zu ergänzen. 66, 23. der dise rede hät getichtet 
unt ze rimen gerichtet, der gert an iuch alle, ob ez iu wol 
gevalle, daz sin ze guote werde gedäht unt von iuwer bete 
bräht ze gotes hulden werde. — in si» v. 27 steckt das er 
für v. 28. beispiele dieser erscheinung aus Hartmann s. bei 
Benecke z. Iwein 458; doch handelt es sich dort in sämmt- 


30 


lichen stellen um die ergänzung eines nomtnalivus aus einem 
accusalivus oder dativus. hier ist der nominativus aus dem 
genelivus zu ergänzen. 

III. der pluralis des verbums steht nach collectiven 
54,5. die sele fuorten dannen der tivel ein michel presse. 
(die tilgung von si in v. 5 war geboten.) auch der relative 
nebensalz findet sich nach einem solchen wort im pluralis: 
59, 69. dä gie üz unde in ein menige, die sin phlägen. 

III. der a, des demonstrativums sieht, wo man 
pluralis erwartete. : 49, 80. swelch abe der brucke 
den enphiengens mit ir gielen. 

V. ein doppelter accusalivus ist wol nur scheinbar: 
44, 3. trüebsal h&t in begriffen sine liehtin ougen, es 2 
wol ‘in’ in “im’ zu bessern. 

VI. übergang aus der oratio indirecia in die direcia 
ist anzunemen 47, 79 fi. der engel jach ez wre ein wize 
der mordzre und auch der mansleken die mit ir swertes 
ecken täten ir nächsippen den töt. ‘die müezen liden dise 
nöt.” hätte die indirecte rede gewahrt werden sollen, so 
hätte st. ‘müezen’ entsprechend ‘were’ “müesen’ gesetzt wer- 
den müssen. Haupt z. Neidh. 62, 20 bemerkt, dass sich 
die streng höfische erzälung dieser satzfügungen enthält, 
und von höfischen dichtern- nur Wolfram, Ulrich v. Zatzik- 
hoven und Ulr. v. Liechtenstein sie anwenden. 

VII. übergang vom praeteritum in das praesens ist bei 
unserem dichter häufig. 59, 71. dä endorfie niemen beträ- 
gen. e3 was sinewel unde wit, dehein siul dar an 2. ez 
hät dehein laster. gemiuset was daz phlaster; 56, 71. er 
was swarz als ein rabe. er was in micheler ungehabe. er 
höt tugende dehein. in menschlichem bilde er schein. von 
dem houbet an die füeze er :st unsüeze. er Ad vil der 
hende u. s. w. 51,60. dä sluffen (so st. sluffent) die slange 
gröze unde lange und ander wurm vreislich. ir nöt diu si 
jemerlich. dä wären die verschaffen u. s. w. 57, 8. swaz 
er der sele derüerte, witen er zefüerie alsö der wint den 
stoup tuot. dä Aät niemen senften muot. da was michel 
stözen. u. 8. w. 


3l 


VIII als poaesens erplicativum ist zu fassen “tuont’ v. 
57. 37: hie sint die manslecken, die.mit ir swertes ecken 
äne schulde und äne nöt tuont ir ebenkristen den töt. 
‘manslecken d. h. diejenigen, welche one not tödten.’ 

VIII zu bemerken ist auch dar umbe wan 63, 62 st. 
dar umbe daz | 

Von stilistischen eigentümlichkeiten ist noch zu be- 
merken: 

die frennung zusammengehöriger sülze, 48, 65. wan ein 
ellender man, der truoc einen kotzen an und ein palm in 
der hant, ander niemen man dä vant, der den stec gienge; 
— höchst auffällig ist hier die stellung des war zu anfang 
der periode. es gehört syntactisch zu “ander nieman’ und 
müsste daher diesem nachfolgen. so z. b. Nib. 759, 2. cf. 
L. z. Nib. s. 245. eigentümlich ist auch die trennung des 
zusammengehörigen in folgender stelle. 47, 40. si kömen 
in kurzer stunt ze einem vreislichen tal. daz was vinster 
über al: mit nebel was ez verborgen. die s&l begunde sor- 
gen — ez was wunderlichen tief: — zuo dem engel si rief 
— ez was ouch vollez glüete: die s&le ez harte müete. 

zum schluss noch einige bemerkungen über den ge- 
brauch der negalion. die bildliche verstärkung der nega- 
tion erscheint gar nicht; dagegen macht der dichter um- 
fänglichen gebrauch von der antiphasıs. d. i. die hervor- 
hebung des in einem abhängigen satze folgenden gedankens 
durch gewisse stereotyp gewordene verba mit »ı%At (vgl. Kin- 
zel, wolfr. stil. s. 5) schon Benecke z. Iw. 1110 bemerkt, 
dass diese ausdrücke gesammelt zu werden verdienen. ich 
gebe als beitrag zu dieser sammlung die beispiele aus un- 
serem gedicht. es werden folgende verba so gebraucht: 
belibe — unterlasse s. Wortschatz. 47, 2. niht dü belibe 
dune sagest besunder diu manicvalten wunder. mit folgen- 
dem hauptsatze 50, 49. si mohte niht beliben, die kuo be- 
gundes triben; Zäze. 47, 19. die dä niht wellent läzen durch 
die gotes hulde, si envalln in manic schulde; verbir. 60, 
76. die mit in d& wären, niht si verbären, si enwurden alle 
unfrö; 58, 37. die niht übel wären und doch daz niht ver- 


32 


bären, si enwurden alle unfrö; 58, 37. die niht übel wären 
und doch daz niht verbären, si enhaben sich missehalten ; 
one negation. 45, 31. die in der stat wären, niht si ver- 
bären, si huoben üf vil gröze drö; desidn. one negation. 
50, 17 (= unterlasse vgl. 48, 60) du enmaht des niht be- 
sten, dü müesest dise brucken gen. beite. mit folgendem 
hauptsatz. 61, 75. der engel langer niene beit, er sprach; 
vermide mit folgendem haupts. 51, 26. du maht sin niht 
vermiden, dise nöt muostü liden. — 

. öfter fügt auch, zu besonderem nachdruck, der dichter 
zu dem positiven ausdruck einen negativen durch dne ver- 
bunden hinzu. wir haben so: minne Ane nit. 61, 27; wun- 
ne äne strit, 61, 28; vinster äne lieht. 56, 1; &ne vinster 
 tac. 58, 71; von den höfischen dichtern zeigt auch diese 
eigentümlichkeit, wie die vorhergehende, besonders Wolfram. 
vgl. Kinzel, wolfr. Stil. p. 5, 12. 


Metrik und Reim. 


Das gedicht ist in vierhebigen reimpaaren abgefasst. 
die meisten verse sind gebaut nach der strengen mhd. me- 
trik. daneben ist aber an versen, die nur mit schwerem, 
selbst viersilbigen auftact, oder fünf hebungen zu lesen sind, 
kein mangel, ebenso an solchen mit zweisilbigen senkungen. 
es ist leicht zu ersehen, dass diese unregelmässigkeiten nicht 
dem dichter, sondern dem schreiber zuzurechnen sind, der 
durch anhängungen und einschiebsel das metrische gewebe 
zerriss. zu diesen zusätzen: gehört 

1. die einfügung eines ‘er, si sprach’, ‘st sprachen’ vor 
directer rede. sämtliche stellen, wo die tilgung dieser zu- 
sätze durch den vers geboten erscheint, sind derart, dass 
auch one dieselben nicht bezweifelt werden kann, dass eine 
neue rede beginnt. die weglassung des ‘er sprach’ ist übri- 


33 


gens, wenigstens in der kurzen wechselrede seit H. v. Vel- 
decke in der mhd. poesie stehend geworden. es ist in fol- 
genden stellen, wo eine antwort auf eine directe frage folgt, 
zu streichen: 53, 30. er sprach; 54, 45. si sprach. 65, 12. 
er sprach. wie willkürlich übrigens oft diese einfügung ge- 
schah, beweist v. 62, 2, wo sie vom schreiber selbst vor in- 
directer rede eingefügt ist. ferner ist noch zu streichen v. 
58, 20. er sprach; 55, 45. si sprachen; 55, 56. si sprach 
vor dem ausruf. der vers ist übrigens zu lesen: ‘ow& daz 
mich ie muoter truoc.’ 60, 19. sie sprachen. man sollte 
hier auch eher ‘si sungen’ vermuten. 51, 26. er sprach. 
50, 33. ‘dö sprach der engel” ist wol wie 5l, 16. zu lesen: 
‘der engel sprach’. 

2. einige verse sind durch interpolationen entstellt. 
es sind dies widerholungen des subjects, . der präposition, 
des artikels u. dgl. es :st zu streichen: 41, 11. das zweite 
‘unser’; 43, 78. daz; 44, 27. ‘dem’ und ‘den’; 45, 51. sampt; 
ebenso 59, 43; 46, 11. das zweite ‘si’ (s. Haupt z. Er. 4070. 
46, 53. du (s. Lachm. z. Iw. 483); 46, 65. das zweite ‘du’. 
48, 59. stec. 48, 70. da; 49, 39. lies: “möht niemen vol- 
schriben; 49, 46. die; 49, 52. schreib: ‘sin’ st. ‘si ware’; 
49, 78. die; 49, 34. wurmes. über die weitere verderbniss 
der stelle s. das folgende capitel; 50, 16. disen? 52, 29. 
niht; 53, 39. das zweite ‘mit’; 53, 72. einer. schreib: jeg- 
licher; 54, 51. einen. 54, 80. sö; 57, 4. 5. beide ‘da’; 57, 
42. den; 57, 65. von; 58, 43. sunde; das subj. ist auch für 
diesen satz ‘schulde’; 59, 1. mit worten; 59, 38. herren; 
59, 47. ‘der’ und ‘di’. 59, 52. ez (vgl. Haupt z. Er 9417); 
59, 64. von. 59, 77. daz was; 60, 83. da von; 62, 68. die; 
63, 3. dar; 63, 68. hin; 64, 4. nie; 64, 25. da waren; 64, 
70. muz er. über die weitere verderbniss des verses s. un- 
ter ‘Reim’; 64, 79. ze; 65, 27. du; 65, 62. nu; 65, 64. si. 

3. ganz unbedeutende änderungen machen sich noch 
nötig an folgenden stellen (einsetzung einer verkürzten form, 
nebenform u. dgl.). es ist zu schreiben: 41, 18. al st. alle; 
42, 78. lem£re st. immer möre. 41,66. niezen st. geniezen; 
42, 18. Englant st. Engelant; 43, 7. ern st. er in; 43, 18, 


34 


ieglich. ebenso st. ieglicher 63, 50; vgl. auch die ände- 
rungen von 62, 32 unter ‘Formenl.’ (s. Haupt z. Er. 1965); 
43, 42. schreib ern kunde sich e.; 50, 67 sine mohte w.; 
43, 49. ‘ein’ st. ‘einer’; 44, 59. zellen st. gezellen; 44, 64. 
ab st. aber; ebenso 45, 26; 46, 82; 59, 59; 65, 83; 44, 
79. ‘hin’ st. hinne; 49, 26. ‘od’ st. oder. ebenso 56, 11; 
62, 14; 50, 8. ‘note’ st. ‘naten’; 50, 27. stel dü dim; 50, 
38. ‘hör’ st. herre. ebenso 64, 65; 53, 57. heizt; 53, 832. 
ummzzlicher; 54, 19. ‘ein’ für ‘einen’ (H. z. Er. 1966). 
54, 41. haben. st. gehaben; 54, 46. ‘legen’ st. gelegen; 55, 
53. wel wir st. welle wir. 56, 53. jaemerliche st. jamer- 
lichen; 57, 30. än st. äne; 57, 56. velschlich st. velschli- 
chez; 57, 73. deich st. daz ich; 65, 32. deist; 59, 49. ers 
st. er des; 60, 18. sange st. gesange; 60, 23. du empfienge 

darmen geste oder “arme geste’.. schreib: “din miltin hant 
was ie bereit ze wurken daz beste. 63, 72. gunde st. be- 
gunde (so auch Er. 23); 61, 1. gemeinlich; ‚61, 43. ir st. 
iriu; 61, 53. minneclich st. minneclichen. 65, 3. Hybern 
st. Hybernia. vgl. 42, 3. Ä 

Einige verse erscheinen zu kurz. sie sind durch die 
einschaltung eines kleinen wörtchens zu bessern, das für 
den sinn one bedeutung war und deshalb von dem nach 
küre strebenden schreiber ausgelassen wurde. es ist so 
einzuschieben 1. ein ve! vor adjectiven und adverbien: 44, 
17. schreib: vil geher; 46, 9. vil manicv.; 51, 56. vil sche- 
mel.; 53, 22. vil armen; 55,11. vil übelen; vgl. 55, 9; 55, 
77. vil balde; 56, 46. vil kreftige; 57, 58. vil lützelen; 58, 
68. vil michel; 59, 5. vil dicke; 60, 43. vil michel; 63, 23. 
vil süezen; — 2. der artikel. lies 46, 39. der ir gemach; 
52, 82. sin fuore diu was. — 3. schreib: 45, 68. si sprä- 
chen; 49, 54. gar verst.; 52, 18. immer unz. 54, 23. ir. l. 
was vil uni genuoc. cf. 48, 49; 54, 82. grözen söre. 

Nach vorname dieser. notwendigen besserungen zeigt 
sich, dass der versbau des ged. zwar nicht meisterhaft 
ist, im ganzen aber die gewönlichen regeln befolgt. klin- 
gende verse mit 4 hebungen sind nicht selten. es sind fol- 
gende: 50, 53, 54; 50, 75, 76; 55, 73, 74 (am ende eines 


35 


abschniltes); 57..40, 41; 59. 32, 33; 59. 42, 43 (doch ist 
vielleicht auch unminne zu betonen und sampt zu streichen). 
61. 39, 40; 61. 61, 62 (am ende eines abschnilles). v. 61, 
76 ist zu lesen: der engel langer niene beit, er sprach ‘du 
enmaht hie beliben, wan dü solt heizen schriben. — vgl. 
über diese verse L. z. Iw. 772. doch ist zu bemerken, dass 
dieselben hier niht, wie L. annimmt, nur an einem sinnes- 
abschnitt stehen. 

Sonst ist über den versbau noch zu bemerken: 

Auflakt. 1. zweisilbiger auftakt ist regel und findet 
sich häufig. 

2. dreisilbiger auftact ıst, wo er noch erscheint, one 
gewalt wegzuschaffen. es ist zu lesen: 41, 15. noeten werdn 
bevangen; 54, 33. ist ‘w’ zu streichen. 55, 66. si teten 
den; 60, 40. ‘er’ st. ‘der engel’, besonders schwer wäre 
der auftact v. 54, 25. doch ist zu lesen: ‘warf si von hant 
ze handen’. 65, 25. stelle um: ‘gekundet werden”. mit 
schwebender betonung ist zu lesen 54, 29 oder zu schrei- 
ben “in ieweder esse wurdens gar”. 

3. ebenso viersilbiger auftact. 59, 71. ist zu lesen 
‘da endorft niemen beträgen’ ; 57, 60. ist ‘alles’ zu streichen. 

Ungewönliche aber nicht felerhafte bezonungen sind un- 
vrö (dö). 65, 43; ünbiderben (:erben) 53, 16; st. lebende- 
gen 49, 22 ist zu lesen l&mtigen (cf. Sommer z. Flore 141) 
ebenso 58, 74; 

Syncope des e findet sich in folgenden worten: glou- 
ben. 42, 71; sins 43, 56; 43, 75; gnäde. 44, 65; 52, 2; 
59, 19; 64, 47; gnäden. 46, 32; gmediclichen. 60, 81; 
gwalte. 45, 44; hätn. 48, 18; 48, 35; 64, 57; kumbr. 49, 
31; glichen. 50, 12; valln. 51, 21; blibet. 52, 14; 65, 46; 
dheine (od. doch wol besser ‘keine’). 52, 79; 53, 1; wärn. 
57, 13; 61, 22; 63, 48, 64, 23; 64, 34, 35; sähn. 64, 58; 
56, 15 sind wir nicht genötigt ‘gnöz’ anzunemen. es wird zu 
schreiben sein ‘der tivel dehein ist sin genöz’. 

die letzte senkung. ein harter versschluss findet sich 
42, 56. däz än. ähnliche versschlüsse sind Trist. 2578. 
sä3 er; ebenso Wig. 519, 1872; 289. däz ir; wäz er. Urst. 

5 


36 


109, 47. (vgl. Lachm. z. Iw. 4098), doch wäre es möglich, 
dass hier ein wort ausgefallen, etwa ‘der herre sach daz 
leit an; 55, 30. ist zu schreiben: ich höte deheine äht; 
hiatus auf der letzten senkung (s. Lachm. z, Iw. 7764) er- 
scheint nur 44, 85. werlde abe; und 55, 30. deheine aht 
verschleifung erfolgt in der von L. z. Iw. 1159 angegebenen 
weise: 47, 30. sware benam; 47, 77. sele getän; 50, 35. 
höte verstoln; 56, 55. schephaere verkös; 62, 8. ungemüete 
dehein ; — verkürzte einsilbige wörter in der leizien senkung. 
44, 32. in im was; 46, 30. minneclich uri sprach; 46, 70. 
‚itewiz unt spot; 50, 41. ist zu lesen: zeigte ir eine kılo; 
46, 52. dö wart innen der güote män. | 
der Reim. 
1. über die unreinen reime a:&,e:&i:j. s. Lautlere. 
2. ist zu bemerken reimhäufung. es finden sich ein- 
mal 6 gleiche reime. 42, 51—56. began :man :getan :gewan: 
an. öfter 4 gleiche rame. 46, 19—22. ie: lie: bevie : gie; 
47, 75—78. an : began : getän : freissam; 60, 42—45, wät: 
 rät:stät: hät; nach der oben angegebenen besserung aych 
63, 15—19. in: guldin : ketelin ; glökelin; — häufung von 4 
gleichen reimen findet sich auch bei Hartmann. s. Haupt 
z. Er. 562. auch Nib. 1899 zeigt 4 gleiche reime, vgl. 
auch W. Grimm z. gesch. d. reimes s. 624; 
3. häufig sind rührende reime (cf. W. Grimm : 2. gesoh. 
d. r. s. 562) getän: wolgetän. 46, 59; übelgetän : getän. 46, 
67; libe : belibe. 47, 1; vreislich:: jsemerlich..51, 62; eislich: 
schedelich. 52, 62; ungemählich : unverträglich 54, 54; je- 
merlich : gelich. 56, 61; wunneclich : unmugelich. 62, 12; 
erlich : mislich. 63, 37: scheenheit : gotheit. 64, 43; gnsedi- 
cheit : kristenheit. 41, 17; üppicheit : gewarheit. 43, 30; ver- 
derbt, ist 64, 69. 
got müeze din walten, 
diner herverte walten. Ä 
der reim walten : walten ist unerhört. es ist etwa zu schrei- 
ben: got miüeze dich behalten. Fr: 
48, 49 ıst zu schreiben: ‘den die s&le bären’ (st. waren) : 
wären, wie schon Hahn bemerkt. 


Das gedicht und seine quelle. 


Unser gedicht ist nach einer lateinischen vorlage gear- 
beitet, was zwar vom dichter nicht ausdrücklich bemerkt 
wird, aber bei der art des stoffes schon an und für sich 
wahrscheinlich ist und zur gewissheit wird durch die in 
demselben vorkommenden lateinischen worte und wortfor- 
men. derart sind: in nomine domini. 41, 21; Gregariö 
(:alsd) 41, 56; Hibernid (:sd) 41, 20; dector (:vor) 62; 3; 
allelujä (:dä) 62, 45; wir haben zwei lat. prosabearbeitun- 
gen unserer legende. die eine kürzere findet sich bei Vin- 
centius Bellovacensis, speculum historiale c. 27—88; eine 
weitläufigere und volständigere fassung, von der die erste 
wol nur ein auszug ist, wurde nach einer giessener hdschr. 
ediert von O Schade: Visio Tnugdali. Halle 1869. dass 
nur die volständigere fassung unserem gedicht zu grunde 
liegen kann zeigt sich auf den ersten blick, zugleich aber 
auch, dass der text der giessener hdschr. nicht mehr un- 
verfälscht ist, sondern an zalreichen entstellungen und in- 
terpolationen leidet (wie schon Mussafia pn. 5 bemerkt hat). 
es wäre deshalb, bevor eine genaue vergleichung des deut- 
schen und lateinischen textes möglich, eine kritische bear- 
beitung der lat. prosa nötig, von der eine ziemliche anzal 
handschriften existiert*. vorher wird z.b. nicht mit sicher- 
heit zu bestimmen sein, was von dem dem lateinischen texte 
mit dem deutschen nicht gemeinsamen interpolation des er- 
steren, was absichtliche auslassung des deutschen dichters 
ist. gleichwol wird eine solche vergleichung schon jetzt von 


—— 


* 5. Mussafia, sulla visione di Tundalo p. 11. 12. 
5% 


38 


grosser wichtigkeit sein besonders für die kritik des uns in 
starker verderbniss überkommenen deutschen textes. bevor 
wir sie jedoch unternemen, wollen wir noch die frage über 
den verfasser des lateinischen extes in kurzem berühren. die 
ausführlichste auskunft über denselben gibt unser gedicht 
41, 43. sit bräht ez ein münich guot 

ze Regensburc in die stat. 

dö wisete in daz phat 

ze einer samnungen. 

dä sint frouwen nunnen, 

von Sant Paul ist ez (si?) genant. 

dä schreib erz mit siner hant 

offen erz begunde 

als erz vernam von munde. 
aus dem prolog des Schadeschen textes ist nur zu entne- 
men, dass ein mönch, Marcus mit namen, die schrift auf- 
gesetzt und einer äbtissin G. gewidmet hat. auch über die, 
welche die abfassung des lat. textes veranlasst haben, gibt 
das deutsche ged. nähere auskunft 41, 62 fg. die etwas 
verderbte stelle ist so zu lesen: 

nü schribe wirz ze diute 

durch die ungelerten liute 

den alten mit den jungen 

- ze einer be3zerunge; 

und daz sin müezen niezen 

die ez schriben hiezen 

(daz sint dise frouwen dri: 

Ötegeb, Heilka Gisel dä bi) 

und dar näch alle die 

der scholer wir wurden ie: 

si sin töt oder leben, 

-daz in ir schulde werde vergeben. 
die drei frauen, one zweifel dem vorgenannten St. Paulklo- 
ster angehörig, können nur zu der abfassung des lat. textes 
beziehungen haben, da als veranlasser des deutschen ge- 
dichts ein bruder Konrad v. Winneberg genannt wird. die 
frauen, die für die abfassung eines solchen werkes Interesse 


‚39 


zeigten, mussten jedesfalls von bedeutender bildung und von 
einfiuss in ihrem kloster sein. wir werden daher wol nicht 
felgreifen, wenn wir in der Gisila, abba de St. Paulo, deren 
todestag (25. februar) in einem necrologium des 12. jahr- 
hunderts (monumenta boica XIV. s. 372) angegeben wird, 
die in unserem ged. erwähnte persönlichkeit sehen. der- 
selbe name findet sich auch in einem necrologium des klo- 
sters Windberg, nur mit der nichtsbedeutenden änderung 
des namens in Gisla (monum. boic. XIV. p. 94). da das 
ältere emmeraner necrologium von einer hand des 12. jarh. 
geschrieben ist, so muss auch die äbtissin Gisela in dieses 
gehören. über ihre regierungszeit habe ich nichts genaueres 
finden können. auch die mitgenannten Heilka und Otegebe 
sind, wenn nicht höhere würdenträgerinnen, doch jedenfalls 
hervorragende mitglieder des klosters gewesen. nemen wir 
nun an, dass Gisela äbtissin gewesen, so steht die angabe 
im gedicht nicht im widerspruch mit der des lateinischen 
textes. die dort angeführte äbtissin G. kann leicht die Gi- 
sela des deutschen gedichtes sein. es wären dann in der 
uns erhaltenen hdschr. des lat. textes nur der name und 
die örtlichen bezüge getilgt. hiernach werden wir eine dritte 
abweichende angabe über den verfasser der lat. prosa rich- 
tig beurtheilen können. eine vaticanische hdschr. (cod. Vat. 
Pal. 138), von der Greith, specilegium vaticanum p. 109 
nachricht gibt, nennt als verfasser Gero Richenbergensis 
abbas. schon Mussafia vermutet (p. 27) irgend eine bezie- 
hung zwischen beiden angaben. ich erkläre dieselbe so; 
lesen wir statt Richenbergensis “Richersbergensis’, so erhal- 
ten wir als verfasser den berühmten gelerten des 12. jahr- 
hunderts Gerhoh, probst von Reichersberg (1093—1169). 
es ist klar, dass diesem die verfasserschaft des buches zur 
empfehlung desselben von einem schreiber zugeschoben wur- 
de, dem der einfache regensburger mönch nicht genügen 
mochte. es war diese fälschung keine ungeschickte, denn 
Gerhoh lebte in der zeit, in der das buch geschrieben ist, 
und die namen Zegensburce und Richersberce haben eine, 
wenn auch entfernte änlichkeit.: dass man sich in dem be- 


40 


streben dem buche einen berühmten verfasser zu geben, zu 
ganz ungeheuerlichen angaben verstieg, zeigt der umstand, 
dass eine dritte hdschr., von der Greith spec. vat. s. 117 
nachricht gibt, den heiligen Beda (der bekanntlich 7134 starb) 
als verfasser nennt: ‘est visa hec visio et scripta et dictata 
per beatum ecelesiae doctorem venerabilem Bedam presby- 
terum.’ — es mag noch bemerkt werden, dass der mönch, 
der die legende nach R. brachte und dort niederschrieb, 
jedenfalls ein Irländer gewesen. In Irlant war diejlegende 
entstanden und nach angabe des lat. textes 1, 15 wurde die 
erzälung ‘de barbarıco in latinum eloquium’ übertragen. Je- 
denfalls dürfen wir ‘dardaricum’ nicht als ‘deutsch’ erklä- 
ren. es waren aber in R. merere schottenklöster ordinis 
St. Benedicti, wie St. Jacob und St. Peter. die schotten- 
mönche, die in den kreuzzügen noch einmal bedeutung ge- 
wannen, stammten von den alten irischen mönchen, und 
aus Irland mochten sie wol auch damals noch zuweilen 
frischen zuzug erhalten. ein solcher irischer mönch mag 
nun die legende bald nach 1149 von Irland nach Regens- 
burg gebracht haben. auf die schottenmönche weist auch 
die episode von St. Patrik (42, 35—43, 11), der 42, 39 als 
der ‘schotten herre’ d. i. der schutzheilige der schottenmön- 
che bezeichnet wird. doch findet sich diese episode in dem 
lat. text nicht und ist meiner meinung nach erst von dem 
deutschen dichter eingefügt. denn auch bei dem nieder- 
rheinischen dichter findet sie sich nicht. dort wird im ge- 
gensatz zu unserem ged. 42, 20 von Irland berichtet: 
68. d& ist vil slangen credin spinnen. 

es ist das wol nur so zu erklären, dass der niederrh. dich- 
ter statt des ‘ınscıd’ des lat. textes anders, etwa “insita’ las. 
wenn sich die episode von Patricius in seiner vorlage ge- 
funden hätte, müsste er auf diesen feler aufmerksam gewor- 
den sein. 

Bevor ich nun zu der vergleichung des lat. und deut- 
schen textes nach dem oben angegebenen gesichtspuncte 
übergehe, sind erst noch einige stellen im ProiDg des deut- 
schen gedichtes zu bessern. 


u. 


41 


Prolog. 41—42, 2. 


Nach 41, 30. ist offenbar eine lücke. J. Grimm ver- 
suchte in seinem handexemplar so zu ergänzen: 
dö der wären tousent jär 
unt eines, wizzet sicherlich, 
minner danne fumfzic 
und bemerkt dazu ‘— 1049, aber 1149 muss es sein, denn 
Gonrads 3. kreuzzug 1148 und Eugen 3. pabst seit 1145.’ 
in der lat. prosa ist die jareszal 1149 richtig angegeben. 
wir haben deshalb keinen grund zu der anname, dass sie 
in unserem ged. nicht richtig gestanden habe. gegen Grimms 
ergänzung ist aber noch das zu bemerken, dass zu dem 
reim sicherlich : fumfzic keine analogie in unserem ged. zu 
finden ist. ich glaube deshalb, dass etwa so zu schreiben 
ist: 
dö der wären tüsent jär 
unde dannoch zehenzic 
und eine; minner fumfzic 
so erklärt sich vielleicht auch der ausfall des verses. ob- 
gleich zehenzic noch 56, 33 sich findet, konnte der schrei- 
ber, als es ihm hier zum ersten mal aufstiess, daran anstoss 
nemen. das wort wurde überhaupt von den späteren nicht 
mehr verstanden und in den hdschr. oft wunderbar entstellt. 
vgl. z. b. Erec. 1917. 
41, 55. des haben wir zewzere 
bilde an sant Gregoriö. 
der vestent ez3 also: 
/;  swaz er reden solde 
nennen er die wolde 
von den er vernomen höt 
diu rede diu hie ze urkunde st£t. 
der dichter kann sich hier nur auf ein lieblingsbuch des 
Ma. beziehen, Gregorii dialogorum libri IV, in dem ähn- 
liche wundergeschichten erzält werden. die legende von 
Tund. findet sich aber nicht darin. der dichter wollte of- 
fenbar nur sagen ‘wie Gr. die gewärsmänner seiner erzü- 


42 


lungen nennt, so will auch ich es.tun.’ danach ist v. 60, 
61 so zu bessern: 

von den erz vernomen het. 

diu rede hie ze urkunde stöt. 
41, 54. niuwemere ist composit.; 41, 51. ‘eines’ zu strei- 
chen. “von munde’ d. i. mündlich. 


1. de situ Hyberniae 42, 3—45, 12. 


42, 3. Hybern daz ist en lant wit. cf. S. p. 2, 11. 
H. igitur insula est. es ist daher zu schreiben: H. daz ist 
ein einlant wit. — die erzälung von dem ritte zum genos- 
sen ist im deutschen ged. kürzer, als in der lat. prosa. 
dort p. 3,3 wird noch erzält, dass, als jener das geld nicht 
zur hand gehabt habe, Tund. erzürnt habe wegreiten wol- 
len. deshalb wol 43, 59. ze sinem imbize behabte er in vil 
küme dä. wahrscheinlich ist aber doch nach 53, 58 eine 
lücke anzunemen. 

43, 65. als er was gesezzen 

unt recht näch dem ezzen 

sin liehte varwe diu wart bleich. 
cf. S. p. 3. 5. cuius cum precibus negare nequiret, resedit 
et securi deposita, quam manu tenuerat, cibos cum socio 
sumere coepit. danach ist v. 66 zu lesen: 

unt reichle näch dem ezzen. 
v. 43, 78 ist zusatz des dichters. ebenso gehören demsel- 
ben die schönen gleichnisse 44, 60—63. 

43, 31. “er moch wol haben schilte übersetzt das :lat.: 
militari arte non mediocriter instructus (p. 2, 23). der vers 
scheint arg entstellt und etwa so zu lesen: er tohle wol ze 
schilte. cf. Iw. 3000, 1937. 

43, 20. lies: stele. 43, 21. Caselensis (cf. p. 2, 20 
u. Mussafia p. 13). 42, 20. wie st. war; 42, 85. der herre. 
44, 69. manicvalten cf. 47, 4. nn 


2%. de exitu animae — 45, 13-46, 5. 


hier ist nichts besonderes zu bemerken. 


43 


3. de adventu angeli in eccursum a. — 46, 547, 32. | 


46, 36. als er st erkande gibt keinen sinn. cf. S. p. 
4, 16. videns autem ille speciosum juvenem audiensque 
semet ipsum proprio nomine nominatum. es ist daher zu 
schreiben: als si in erkante; 47, 12 schreib: d6 die tivel 
sähen. — 


4. de prima pena hemicidarum. — 47, 33—47, 86. 


p. 5, 20—23 des lat. textes ist im deutschen ged. nicht 
übertragen, und warscheinlich ein späterer zusatz. 


5. de pena hemicidarum et insidiatorum — 48, 1—48, 39. 


im lat. t. 5, 29-33 werden die qualen der verdamten 
näher angegeben. der deutsche dichter unterliess die nä- 
here schilderung wol, weil sich änliche beschreibungen wi- 
derholen. ebenfalls weggelassen hat er die frage der sele 
an den engel S. p. 5, 34—36. 


6. de valle et pena superborum — 48, 40-48, 76. 


auch hier ist die deutsche erzälung kürzer gehalten. 
v. 48, 57 ist die überlieferung zu bessern: 
48, 56. er (der stec) ist eines fuzzes smal. 
er douchte sei aber an der weile 
er wzre lenger danne ein meile. 
cf. S. p. 6, 6. tabula autem longissima ..... ‚ quae mille 
passus in longitudine, in latitudine vero unius pedis men- 
suram habebat. danach scheint zu schreiben: 
er ist eines fuozes smal. 
er dühte si der wile 
lenger dan ein mile 
wile — zeitliche ausdehnung steht hier für örtliche. 


7. de avaris et pena eorum = 48, 77—49, 59. 


die deutsche erzälung kürzt hier, besonders in der be- 
schreibung. die riesen in dem munde des tieres (cf. S. p. 


44 


6, 25—28) schildern geschickt vier verse. dieselben lauten 
in verbesserter gestalt: 
49, 4. dar inne stuonden zwöne man. 

daz3 wären risen freissam. 

die stuonden bi den zenden 

sam bi dem roche venden 
das gleichniss 49, 7 ist dem deutschen dichter eigentümlich. 
p. 7, 17—32 des lat. textes ist wol spätere interpolation. 
: 48, 78, lies ‘wie’ st. was. 


8. de pena farum ei rapterum = 49, 60--50, 85. 


die vergleichung mit dem lat. ergibt nach 49, 84 eine 
lücke. S. p. 8, 11 heisst es: ignis etiam de ore ipsarum 
exiebat, ita ut stagnum bullire a cernentibus putaretur. 
videbat quoque in ipso ponte unam animam valde ploran- 
tem .... ich glaube deshalb, dass es nach v. 49, 82 ur- 
sprünglich so gelautet habe: 
ü3 jegliches munde 
stigen begunde 
ein louc brinnunde. az 
ein armiu s&l begunde 
gen an die. brucke. | 
wie die beiden verse ausfallen konnten sieht jeder. 4 glei- 
che reime finden sich öfter in unserem ged. s. Reim. 
S. 9, 4-7 ist als interpolation kenntlich. — der deut- 
sche text ist gegen das ende kürzer, als der lat. 


9. de pena glutenum et fornicancium = 51, 1—52, 57. 


ist im ganzen freier behandelt, als die vorhergehenden 
partien, besonders die rede des engels. 51, 85—52, 25 = 
S. 10, 23—36; | 

51, 38. lies “‘gewarheit’ st. warheit. cf. 43, 41; 51, 41. 
‘dem’ st. der. 52, 4. an der = ‘ander’. 

S. 11. 7. nullum enim est tam grave supplicium sicut 
sequestratum esse a consorcio divine maiestatis et sancto- 
rum angelorum. danach lies 52, 54 


45 


daz si ze ir unheile 
sin gescheiden von dem teile 
der wunne niemen erzellen mac. 


10. de pena sub habitu et erdine relizienis fornicancium etc. 


53, 12. ez hät unsamfte dehein zadel 
. alsö die wähsen nddel 
die selben siten stechent 
die dar üz brechent 
die wurme unbiderben 
“ die vv. 12, 13 sind schwer zu verstehn; ausserdem ist 
der reim zadel : nädel anstössig. im lat. texte (S. 11, 29) 
steht an entsprechender stelle: in caudis autem suis eedem 
bestie multos babebant aculeos, qui quasi hami retro retorti 
ipsa, e quibus exibant, pungebant corpora. ich vermute im 
vergleich mit 56, 25: 
ez hät unsamfte einen zagel. 
alsö die wähsen nagel 
die selben siten stechent, 
dar üz si dä brechent 
auch 56, 26 ist aculeus durch nagel widergegeben. über 
zadel siehe noch Müllenhoff u. Scherer, Denkm. s. 519 ff. 
52, 63. schr.: selen st. selben. 


1l. de pena eorum, qui cumulant pecuniam super pecaniam 
= 53, 44—54, 49. 


S. 12, 25—31 (-istam) scheint späterer zusatz. das 
deutsche ged. schliesst an 12, 31 an. 
53, 60. die er dort vellet | 
unt zuo im gesellet 
mit suntlichen dingen 
die müezen immer drinnen 
mit den nosten, die hie sint. 
v. 63 ist verdächtig. im lat. (S. 12, 34) lautet die ent- 
sprechende stelle: is tortor (ait angelus) vocatur Volcanus, 
per cuius ingenium corruerunt plurimi et corruentes ab ipso 


46 


sunt cruciali. mit ziemlicher sicherheit können wir ver- 
muten: 

| die müezen immer ringen 

mit den nceten, die hie sint. 
mit nöl ringen. Wealth. 78, 20. damit fiele der unreine 
reim dingen : brinnen fort. s. Lautl. 
54, 44. antwortet die seele dem engel. im lat. text 

13, 17. heisst es; illa autem ei respondere non poterat, quia 
vires ad loquendum post tale non habebat supplicium. — 
54, 17. felt das verb. es ist etwa ‘“gd?’ zu ergänzen. 


. 12. descensus ad inferes = 54, 49-55, 4. 


54, 57. vor vorhten si des dühte 

daz bibende wer über al 
daz vil vreisliche tal. 

Jiwer v. 58 kann unmöglich richtig sein, nachdem vor- 
her nur von ‘vrost’ und ‘stanc’ geredet. ausserdem felt dem 
satze das verbum. ich setze deshalb ‘füere’ st. ‘fiwer’; var 
= sich hin und herbewegen. cf. Walth. 99, 19; auch in 
unserem ged. 54, 72. ez fuor ir herze und ir muot als daz 
loup von winde tuot. die vermutung wird gestützt durch 
den vergleich des lat. textes. 13, 27. tribulacio et angustia 
animam invaserunt per iter, ita ut omnia fundamenta orbis 
terrae sibi viderentur contremiscere. — der allerdings auf- 
fällige feler erklärt sich durch die spätere falsche ausspra- 
che. Weinh. bair. gr. $ 95 führt an die schreibungen uze 
st. füeze,; griune st. grüene. so wurde hier erst fure st. 
füere geschrieben, dieses dann in wer’ entstellt, 

54, 65. sä bi dem warte 

er seit ir diu tougen 
unt verswant vor ir ougen. 

das kurz abgebrochene ‘er seit ir d. t.’ muss anstoss er- 
regen. wir vergleichen deshalb den lat. text p. 13, 31: 
cumque praestolaretur angeli responsum, ab oculis eius an- 
gelus cito disparuit, et eum videre amplius non potuit. — 
praestolaretur deutet auf warte — wartete. ich schreibe 
deshalb: | 


47 


sä bi dem st warte, 

er seite ir diu tougen, 

verswant er vor ir ougen. 
es fiele somit der anstössige reim Äarie : worle weg. 8. 
Lautl. unter a. 


13. de infere inferieri = 55, 5—55, 74. 


55, 15. lies: un! zerlie sich denne widere — floss wider 
aus einander. — üb. 55, 38. s. Synt. — in der beschrei- 
bung der teufel 55, 59-68 = S. 14, 26—28 felt im deut- 
schen ged.: caudas habebant ut scorpiones et ul vullures ha- 

bebant alas. | 


14. de ipse priucipe tenebrarum — 55, 75--58, 3. 


S. 15, 3—5 (pauca — describitur) scheint interpolation. 
56, 31. der selbe välant 
het ein ieglich hant, 
diu was wol zehenzic klafter lanc. 
man könnte st. ieglich “egelich’ = schrecklich vermuten, der 
vergleich mit S. p. 15, 11. Aabet non minus mille manibus 
ei unaqueque in longiludine quasi centum eubitos lehrt aber, 
dass etwa so zu schreiben ist: 
der selbe välant 
höte m& dan tüsent hant 
iegliche zehenzic klafter lanc 
57, 44 fi. lies: 
die sich niht erbarmen 
unt roubent die armen 
(ze allen ir vreisen) 
witewen unde weisen. | 
56, 27. ‘haken’ st. huken; 57, 17. ‘der’ zu streichen. 
lies: engel mare; 51, 72. ‘die’ st. der , 57, 75. streiche tht, 
‘oder schreib deich und streiche ich v. 76. 


15. de moderata pena nen valde malerum — 58, 4—58, 57. 


58, 20 lies: ‘daz ist diu wändelunge 


48 


diu diu gotes zeswe tuot. 
diu hät begriffen dinen (st. meinen) muot.’ 
cf. S. p. 16, 35. respondens angelus dixit ei “benedicta 
sis! non mereris'. hec est namque mutacio dextere exelsi. 
58, 5. schr.: niuwemere. cf. 41, 54; 58, 56. sohr.: ez en- 
siöi; — nach 58, 57. felt ein vers etwa: und ir jJämer 
stoeret. 


16. de campe leticie et fonte vite ei requie nen valde maloerum 
= 58, 58—59, 27. 


die beschreibung folgt ziemlich genau der quelle, ist 
aber lebhaft und frisch. S. 17, 15. qui de portis inferi li- 
beravit me — 59, 3. daz3 ich von sinem gebot bin üz der 
bittern helle komen. doch 17, 13, magnam amaritudinem, 
quam anteg sustinuerat. 58, 74. dem st. den. 


17. de Donate et Chencheber regibus — 59, 23—59, 57. 


diese partie erscheint im deutschen ged. zu kurz. cf. 
S, 17, 26. idle enim rex ‚Ch. diu languıt et volum vonii, 
quod, si vixissel monachus fierel; alter aulem per multos 
annos vineulis religatus omnia quecumque habuit dedit pau- 
peribus, el ideo juslicia ejus manei in seculum seculi. man 
möchte hier eine lücke im deutschen text annemen. doch 
hat wol eher schon der dichter diese partie ausgelassen, 
weil sie seinem weltlichen sinne nicht entsprach. gestützt 
zu werden scheint mir diese vermutung dadurch, dass auch 
in dem abschnitte 58, 4-57. etwas änliches mit absicht 
übergangen scheint. cf. S. 17, 5. honesie quidem se servare 
studuerunt, sed bona temporalia pauperibus non sunt largili 
stcut debuerunt. 

59, 29. lies: aber berien,; 59, 40. nitspil ; 59, 47. der 
engel sagte ir mere oder ir sagte der engel mare? cf. 
57, 17. 


18. de rege Cemarche — 59, 57—61, 4. 
59, 73. ez (daz hüs) was sinewel unde wit. 


49 


dehein sül dar an lit. 
ez hät dehein laster. 

v. 74. muss ‘dehein sal auffallen — d. haus war one 
säulen. im lat. S. 18, 1: verum ipsa domus erat ampla 
nimis atque rotunda, multis columpnis fulta. wir werden 
deshalb nicht anstehen zu schreiben : 

manic sül dar an lit. 
60, 13. si brachten in chöpben guldein 
dar inne was met un wein 
die buchsen waren helfenbeinein 
| dä mite si in erten. | 
die stelle ist sehr verderbt. cf. S. 18, 10. ponebant etiam 
ciphos ei calices aureos et argenteos et eburneas pixıdes su- 
pra pazillos ei tabulas. ich lese: 
si brähten köphe guldin. 
(dar inne was met unde win) 
und büchsen helfenbeinin. — 
dä mite si in erten. . 
59, ‚86. lies ‘niemer’ st. niemen. 


19. de gleria conjugalium — 61, 4—62, 7. 


was S. 19, 7-11 ‘de odore illius campi’. ausgeführt | 
wird, ist im deutschen ged. ausgelassen. — die rede des 
engels 61, 37—62 kürzer, als im lat. 19, 12—20; 61, 5. 
schr.: ‘waz’ st daz. 61, 51. ‘dem’ st. den. 


20. de gleria martyrum et continenclun = 62, 7—62, 63. 


62,17. schr.: daz über al werltliche sinne 
von gezierde dar an lit. 

8, 25. ir här het varwe sidin = 8. 20, 2. et capillos 
habebant auro simillimos. sidia wird gewönlich nur von 
der weichheit des haares gesagt. doch haben wir keinen 
grund, etwa in ‘guldin’ zu bessern. ‘varwe sidin’ wird das 
sein was Lanz. 4755 als sideval bezeichnet wird. vgl. auch 
Nith. ed. Haupt 86, 18. (dr) sam die krämesiden val. - 

62, 48. swer daz ze einem mäl gehörte | 


50 


"man ist versucht ‘ze einem mäl’ zu streichen. vgl. je- 
doch S. 20, 5. tam dulci melodia, ut cunctorum oblivisce- 
retur praeteritorum anima, quae semel audiret. doch ist wol 
‘zeimäl’ zu schreiben. das unter Lautl. ‘uo’ über magetuom : 
rum 62, 58. bemerkte bestätigt die vergleichung mit dem 
lat. 20, 10. ruom übersetzt coronas trtumphales. 


21. de gleria menacherum et sanctimenialium — 62, 64—63, 26. 


63, 15. scheint mir die erste der vorgeschlagenen ver- 
besserungen : | 
| si sach schinen obe in 
bestätigt zu werden durch den lat. text 20, 36. firmamen- 
tum autem, quod super capita eorum erat, multum DU 
debat. 
63, 21. lies: ‘wol näch prise 


22. de defensoribus et siructeribus ecclesiaram — 63, 27—63, 74. 


63, 27. lies: dä besten cf. 65, 48; 63, 50. veglich ; 63, 
55. ‘die sel’ st. dıw sele. 


23. de Bien Nranam et IX ordinibus angelorum — 63, 75— 
64, 64. | 


68, 84. mit kreften si zuo ir zöch 
der herze die si sähen 
der schanen si dö nähen. 
dass mit blosser streichung von #, wie Hahn vorschlägt, 
nicht geholfen ist, sieht jeder. der lat. text lautet 21, 27: 
murus splendens lapidibus multum in sui amorem videncium 
mentes provocabat. es scheint mir daher v. 86 arg ent- 
stellt. die stelle wird etwa so gelautet haben: 
mit kreften si zuo ir zöch 
86. der steine vil wähen 
85. der herze die si sähen 
dass das Ma. gewissen edelsteinen die kraft ee an- 
ziehung beimass ist bekannt. über wähen cf. Weinh. bair. 
gr. $ 34 und Lautl. 64, 19 lies ‘vo? st. wol. 


51 


64, 39. sone möht wir iu niht zellen 
die wunder der gesellen 
64, 41 zeigt, dass “wunne’ st. wunder zu lesen ist. die 
lat. erzälung ist in dieser partie weitläufiger. es werden 
interpolationen untergelaufen sein. 


24. de sancte Rudane confessere — 64, 65—80. 


Rudanus ist (obgleich ich nicht weiss, ob ein heiliger 
dieses namens existiert) jedenfalls entstellung aus “Branda- 
nus’, wie der deutsche text hat. Br., der in der visions- 
litteratur eine so bedeutende rolle spielt, konnte leicht zum 
patron des Tundalus gemacht werden, dessen legende mit 
der von Brandanus auch durch den ort der entstehung ver- 
wandt ist. — über 64, 69. siehe unter ‘Reim’. 


25. de sancte Patricie et IV netis episcopis — 64, 81—65, 32. 


64, 85 1.: uni bischove manic 'schar. cf. S. 22, 17. 
cum magna turba episcoporum. — die namen der bischöfe, 
_ die sein deutsches publicum nicht interessieren konnten, un- 
liess der dichter zu nennen. nur S. Marachyas (i. 1. Mala- 
chias) wird genannt, weil an ihn sich Tund. mit einer frage 
wendet. | 


26. de reditu animne ad corpus — 65, 32—65, 76. 


der lat. text S. 23, 11—19 widerholt das schon zu an- 
fang p. 3, 18—27 erzälte. der deutsche bearbeiter meidet 
diese lästige widerholung und verweist einfach auf das schon 
erzälte. 
64, 71. si begunde ir swigen brechen, 
den liuten zuo sprechen 
unt kunden besunder 
diu manicvalten wunder 
diu ir hie vor habt vernomen. 
in dem epilog ist noch zu bessern: 
64, 80. ‘such’ st. iu. ebenso 66, 25; 66, 42. lies: des 
bitiet iuch ze minne; 65, 81. swaz kom von rechter verte. 
4 


Litterarhistorische ergebnisse. 


Aus der zusammenstellung der in laut- und formenlere 
in unserem gedicht sich zeigenden dialectischen eigentüm- 
lichkeiten geht mit sicherheit hervor, dass der dichter des 
Tundalus der bairischen mundart angehörte. eine genauere 
bestimmung der heimat sind wir aber aus solchen sprach- 
lichen erörterungen, solange uns historische darstellungen 
der kleineren dialectgruppen felen, nicht zu geben im stande. 
wir sind daher in dieser beziehung auf andeutungen in den 
gedichten selbst gewiesen. auch für unser gedicht lässt sich 
der ort der abfassung auf diese weise mit ziemlicher sicher- 
heit bestimmen. Regensburg nennt, wie wir gesehen, der 
verfasser als den ort, wo das lateinische original, das er 
benutzte, niedergeschrieben sei. zugleich ergibt sich aus 
der stelle, dass der dichter selbst die stadt näher kennt. 
denn v. 41, 47. 

dä sint frouwen nunnen 
beweist durch den gebrauch des präsens, dass ihm das 
dortige Paulskloster bekannt sein musste. wenn nun der 
dichter, der sowol den fundort seiner quelle als den wonort 
dessen, der ihn zu dem gedichte veranlasst, nennt, über 
sich keine weitere angabe macht, so dürfen wir nach alle- 
dem wol annemen, dass er selbst zu Regensburg daheim 
war. der verfasser nennt sich selbst 66, 43. 

der aller schuldigiste man 

der priesters namen ie gewan 

er ist geheizen Alber. 
dass der verfasser ein gelerter geistlicher war ist schon aus 
der wal des stoffes zu ersehen, zu dessen bearbeitung eine 


53 


genauere kenntniss der lateinischen sprache gehörte es 
kann nur noch fraglich sein, ob er weltgeistlicher war oder 
einem geistlichen orden angehörte. nach dem, was wir von 
der eigenart des dichters zu erkennen vermögen, ist das 
letztere höchst warscheinlich. es geht ihm, wie Goedecke 
mit recht bemerkt (d. dicht. i. Ma. s. 170), die schilderung 
reizender weltlust ungesucht von der feder, und er zeigt 
sich mit munterem liebeln vertrauter, als mit den bildern 
der hölle, die er wenig fürchtet, oder des himmels, der ihn 
wenig lockt. unmöglich konnte der mann, der sich mit 
vorliebe in solchen schilderungen bewegt, ein ordensgeist- 
licher sein, der die gelübde abgelegt hatte, wenigstens würde 
er als solcher wol’vermieden haben mit seinem namen her- 
vorzutreten. für den weltlichen sinn des verfassers spricht 
auch das im vorigen capitel u. 17. bemerkte. bevor wir 
uns nun umsehen, ob die person des dichters villeicht in 
gleichzeitigen urkunden nachzuweisen ist, muss erst eine 
zweite frage erledigt werden, die nach der abfassungszeit.. 
des _gedichts. auch hier müssen wir von dem ausgehen was 
wir über die form des gedichts festgestellt haben. es ist 
nicht zu läugnen, dass das ged. manches seltene und alter- 
tümliche aufweist. dahin gehört z. b. der gebrauch des 
@rcö xoıwov, der übergang von der oratio indirecta in die . 
directa, die bindung von sechs gleichen reimen, die häufi- 
gen rührenden reime u. a. dazu kommt noch der häufige 
gebrauch von worten, die ın der höfischen diehtung um 1200 
veralten *. wir könnten deshalb versucht sein das gedicht 
vor 1200 zu setzen, wie das auch bisher überall geschehen 
ist. aber die form des gedichts, wie sie sich nach aus- 


* es finden sich derart in unserem ged. gemeit. 43, 27; 45, 80; 
küen unde balt. 43, 28; vermezzen. 59, 82; wolgetän. 46, 60; übel 
getän. 46, 67; mare. 42, 7; 48, 46; 57, 17; ummeere (adv.) 46, 72; 
hort. 59, 25; milt. 42, 8; 60, 21; raste. 49, 72; zehenzic. 56, 33. (s. 
H. z. Er. 1917); holde. 43, 9; 47, 21; hei wie! (H. z. Er. 1730) 47, 56; 
dazu die adj. auf -sam (s. H. z. Engelh. 1185) vreissam. 48, 42; 65, 
84; 49, 5; 55, 1. (adv) lussam. 55, 72; 63, 56; wunnesam. 43, 85, 
68, 13; lobesam. 61, 3; genuhtsam. 42, 9. ist doch wol subst. 


54 


scheidung des unächten herausgestellt hat, ist für das 12. 
jarh. zu regelmässig. so mangelt es an schweren auftacten, 
und auch die letzte senkung ist ziemlich nach der strengen 


weise Hartmanns gebaut. der vers zeigt sich überhaupt als . 


der ausgebildete der höfischen dichtung des 13. jarh. auch 
die reime ergeben sich durchweg als reine. denn was von 
freiheiten in der bindung von vokalen und consonanten vor- 
kommt, ist durchweg durch den dialect entschuldigt, und 
kann als unreiner reim nur für das auge, nicht auch für 
das ohr gelten. überhaupt erscheinen dergleichen dialecti- 
sche eigenheiten nur in sehr beschränktem umfange. in be- 
zug auf die vokale abgesehen von den bindungen a:d, e:e&, 
t :?, die vereinzelt, wie in unserem ged., auch in den von 
baiern verfassten höfischen erzälungen (Parzival, Wigalois, 
Krone) durchweg erscheinen, finden wir, und das in ganz 
geringem umfange, nur folgende freiheiten: a :o in dem 
einzigen wart für wort; e:& überhaupt nur einmal, noch 
dazu im falle der reimnot. in bezug auf die diphtongen 
war nur zu bemerken uo :% (wistuom : frum. 56, 9), welche 
erscheinung sich auch aus der Kröne belegen liess, su :i 
(kou fliuten : witen. 42, 13), die sich warscheinlich durch die 
schreibung diten für liuten erklärt und i : ie (niht : lieht 47, 
‚35), das in diesem worte fast in jedem österr. gedicht 
des 13. jarh. erscheint. etwas weiteren umfang haben die 
freien consonantenverbindungen, doch sind auch zu diesen 
allen analogien aus dem Parzival und anderen bair. gedich- 
ten des 13. j. nachgewiesen. ganze partien des gedichts, 
so der epilog 65, 77—66, 52 zeigen übrigens nur auch vom 
höfischen standpuncte aus reine reime. dazu felen andere 
reimfreibeiten, die in den bair. gedichten des 12. jarh. er- 
scheinen, und zwar nicht selten (4 : 6; a : ö), in unserem 
ged. gänzlich. es ist dies schon früher nicht unbemerkt 
geblieben und man setzte deshalb das gedicht an das ende 
des 12. jarh. so erklärte schon Lachmann, indem er das 
niederrhein. bruchstück um 1180 setzte (a. a. o. s. 162), 
nur nach kenntniss der in der Diutisca veröffentlichten 
bruchstücke, dass Alber wol später gelebt habe. die ausge- 


A a 


‚55 


bildete metrische form verweist aber das gedicht in das 13. 
jarh. und was sich sonst an unregelmässigkeiten in dem- 
selben findet braucht uns keinen anstoss an dieser datierung 
nemen zu lassen. denn wir müssen bedenken, dass wir es 
hier nicht mit einer höfischen dichtung, sondern mit dem 
werke eines geistlichen zu tun haben, der unmöglich auf 
der höhe der höfischen bildung stehen konnte. es ergibt 
sich aber für die datierung noch ein näherer anhalt. Alber 
kannte nämlich offenbar Wolframs Parzival und ahmte den 
stil desselben nach. schon vorn erwähnten wir den häufi- 
gen gebrauch der antiphasis, einer stileigentümlichkeit, die 
von Wolfram besonders ausgeprägt ist, dazu kommt noch ° 
einiges aus dem wortschatz. hierher gehört /uot, das ausser 
bei Wolfr. ausser unserer stelle in derselben prägnanten be- 
deutung nur noch bei Reinbot, ebenfalls einem nachahmer 
Wolframs sich findet. auch die ironische wendung: :r (der 
sele) leide nächgebüren, womit 55, 70 die teufel bezeichnet 
werden, scheint nachgebildet Parz. 56, 4. herter nächgebür, 
was entlehnt wird von Wirnt. Wig. 9418. das wort wird 
noch einigemal im ged. in übertragner bedeutung gebraucht. 
61, 60. er macht si nächgebüren de himelischen heimuote. 
64, 2. swer kom.üf die müre, der dä wart nächgebüre. 42» 
85. der herre mit der kröne ist wahrscheinlich nachgebildet 
Parz. 236, 21. maget mit der kröne (doch s. auch Eree. 
1537 u. Haupts anm.). wir werden daher die abfassung 
nicht vor die vollendung des Parzival, also etwa 1207, setzen 
dürfen. von anderen gedichten der zeit kannte. Alber vil- 
leicht auch Konrads v. Heimesfurt kindheit Jesu 


vgl. 43, 42. Kindh. 85, 3, 4. 
ern kunde sıch erbarmen si enkonden sich erbarmen 
über deheinen armen über deheinen armen 


doch ist die übereinstimmung villeicht zufällig, ebenso wie 
die von 64, 81. ‘der rede drum’ mit Krone 25131. 

Sehen wir uns nun nach der person des dichters, der, 
wie oben gezeigt, ein regensburger weltpriester war, in gleich- 
zeitigen urkunden um, so finden wir nur einen einzigen, auf 
den die gegebnen umstände passten: Albero obellarius, 


56 


der neben einem laicus Albero lupus in einer regensburger 
urkunde vom 30. novemb. 1224 als zeuge erscheint (Quellen 
zur bair. u. deutsch. geschichte V. s. 34). Alber war, wie 
die ungetrübte weltlust zeigt, die er in seinem ged. zur 
schau trägt, bei abfassung desselben noch jung. er konnte 
also ganz gut noch 1224 als zeuge auftreten. 
Auch über den, auf dessen bitten die arbeit unternom- 
men, gibt A. nähere auskunft. 
66, 7. dirre wenige list, 

daz ditze buoch gerimet ist 

daz kom von eines herren bete 

ze Winneberge in der stete 

der heizet bruoder Kuonrät 
es war derselbe also ein Aosteröruder Konrad ın Winne- 
berg. dass es ein geistlicher und kein laienbruder war be- 
weisen die folgenden verse: 

der hät sit siner kintheit 

erliten gröze arbeit 

mit geistlichem leben. 
es fragt sich nun vor allem, wo wir. dieses Winneberg zu 
suchen haben. es findet sich nur ein ort dieses namens in 
Baiern, kreis Schwaben, Ldg. Grönbach (s. Rudolf, Orts- 
lexıcon Il. s. 5059), der aber als kleiner weiler mit nur 26 
einwohnern und wegen, seiner grossen entfernung von R. 
nicht in betracht kommen kann. denn dass, wenn Alber 
ein Regensburger war, auch Konrad in der nähe dieser 
stadt seinen wonsitz gehabt haben muss, ist bei der schwie- 
rigkeit des verkers im Ma. selbstverständlich. als einzig 
passender ort ergibt sich danach Wendberg zwischen Re- 
gensburg und Straubing gelegen. dass das dortige prämon- 
stratenser kloster schon im 12. jrh. (bald nach seiner grün- 
dung 1167) deutsche litteratur pflegte beweist eine dort her 
stammende interlinearversion der psalmen (ed. Graff 1839). 
die alte namensform des ortes ist W’indeberg, doch findet 
sich dafür auch Winneberg in einer urkunde von 1224 
.(monum. borca XXVII. p. 2. s. 448. wider abgedr. in Quel- 
len z. bair. gesch. V. s. 35). ein bruder dieses klosters war 


57 


K. und villeicht .derselbe, der in einer urkunde von 1200 
(mon. boic. XIV. s. 42) erscheint: fratres Waltherus, Got- 
fridus, Chuonradus, Heinricus de Windeberg. villeicht ist 
es derselbe der als Conradus II. von 12:7—1229 abt des 
klosters war (mon. boic. XIV. s. 6); wenigstens würde das 
sehr gut auf den in unserem ged. erwähnten passen, der 
gewiss eine hervorragende stellung eingenommen haben muss, 
da er den literaturmäcen spielen konnte. dann dürfte das 
gedicht nicht nach 1217 abgefasst sein, da K. darin noch 
als einfacher bruder bezeichnet wird. 

Sollen wir zum schluss ein gesammturteil über die dich- 
tung fällen, so müssen wir Alber das lob erteilen, dass er 
aus dem stoffe gemacht, was überhaupt möglich war. seine 
diction ist frisch. mit vorliebe bewegt er sich in ausfür- 
licher schilderung, weiss sich jedoch an anderen stellen auch 
kurz zu fassen. 49, 4—7 gibt er kurz in vier versen eine 
beschreibung wider, zu der in dem niederrh. bruchstück 18 
verse verwandt sind (v. 147—165). auf einzelne nicht un- 
geschickte abweichungen vom lat. originale ist schon im vo- 
rigen capitel hingewiesen. so vermied er die namen, die 
sein deutsches publicum nicht interessiren konnten, in vol- 
ständiger ausfürlichkeit aufzufüren (s. zu II. 25). überhaupt 
ist das gedicht gar nicht so uninteressant, und das urteil 
Gervinus’ (15. s. 264), das überhaupt wol mehr dem vorur- 
teile gegen den stoff entsprungen ist, wird wol von keinem 
gebilligt werden, wenn wir das gedicht erst in einer lesba- 
reren ausgabe als die Hahnische besitzen. 


Er , ” r . 
x - EA 


VITA. 


a 7 SE u Mira, IE ner, 

Natus sum Robertus anno hs. LI“ 2. Air: 
Cal. Mart. Quedlinburgi patre Ferdinando, matre Carolina 
de gente Wehmann ,: quorum parentum:: pater':praematura 
morte mihi abreptus est, 'matrem s$uperstitem adhuc' valde 
laetor. Fidem profiteor evangelicam. Primis literarum ele- 
mentis imbutas gymnasium adir Quedlinburgense, 4u0: ma- 
gistris usus sum imprimis vir. ill. Richtero, tum: 'gymna- 
siarcho, Gosravio, Merkelio, Liebuschio, Schulzio, qui sum- 
mam benignitatem in me contalerunt. Maturitatis instructus 
testimonio auctumno anni’LXXI almam :universitaten.. lite- 
rariam adii Berolinensem 'et a Dovio vir. ill. recfore inter 
cives academicos receptus sum’ nomenque dedi apud ordinem 
philosophorum. Vere anni LÄX]JI Heidelbergam, me contuli, 
ubi per semestre aestivum, inde Lipsiam, ubi per:tria seniestnia 
inter cives academicos fui. Tum, quum fanıfia domicilium 
collocavisset Goettingae, almam, Georgjam Angustam adii, 
cujus civibus ad hunc diem’ sam adscriptus. ; ‘Scholiis inter- 
fui horum virorum ill.: Berolini‘: B Haupt, Hirchhoft, Müllen- 
hof. Heidelbergae: Baehr, Bartsch. * Lipsiae : Curtius, 
Fritzsche, Hildebrand, Paul, Ritschl, Zarncke. Goettingae: 
Baumann, Müller, Sauppe, Wachsmuth, Weitz. -Quibus vi- 
ris omnibus gratias ago quam maximas gratiämque semper 
habebo. 


’ 


SENTENTIAE. 
I. 


Hartmannı de Aue versum Erec. 2267 sic legendum 
puto: *‘daz meinde daz er was dä gast. ; 


| | 1. Ä 
Ulriei de Zatzighoven in Lanzeleto versus 77 sie legen- 
dus est: “siu het ir ding sö vollebräht”. . ... | 


ul. 


_ Godofredi de Strassburg versus 12449 e3 enwürde im 
niemer baz entsaget’ sic interpretandus est: ‘non melius eum 
celari possit‘. perversa est novissimi editoris interpretatio. 


IV. 


Qua en vita Hartmanni de Aue Hernarnde Paul (Bei- 
träge Il. s. 535 ff.) protulit non probo. | 
Ä V; 
In carmine: Friderici de Hausen (MSF. 48, 14 ff.) sie 
legendum videtur: | 
. ich gunde e5 guoten frouwen niet 
daz iemer möre keme der tac 
‘ da3 si deheinen höten ep 
2 der. gotes verte alsö erschrac. © 
. wie kunde in der gedienen. jet? — 
1. wan.e} waere ir eren slac 


VL. 


Exodas ed. Diemer. v. 148, 35 Ks: 
des chroutes an der erde 5 
des niotöden si sich werde. 


vn. 


In carmine Maximiliani de Schenkendorf ‘Am See’ (ed. | 
Hageni p. 356) v. 3, 5 legendum est, sicut editio princeps 


= v. Schenkendorf’s poet. Nachlass, Berlin 1832) exhibet: 
Du Himmelsblick, du reines Licht. 


- 2 - 


“ 


. 
\ 
”. 
. 
Ar 
vn 
>. 


re 


er . 6, 
a 


a 


Digitized by Google 


Digitized by Google 


FRandbuchbindere 


a1 m Oahintimmb 47. 


> 
s 
wo 
. 
he 
ur 
- 
. 
BeWwr 
+ 
„> 
F Ä 
A ’